Mit „The A.B.C. Murders“ erschien vor gut 80 Jahren der seiner Zeit 18. Kriminalroman von Agatha Christie und Entwickler Microïds macht sich die Vorlage der erfolgreichen britischen Schriftstellerin nun zu Nutze. Im aktuellen Titel „Agatha Christie – The ABC Murders“ begebt ihr euch in der Haut von Privatdetektiv Hercule Poirot auf die Suche nach dem ABC-Mörder und wie die technische Umsetzung dessen gelungen ist, prüfe ich in der Xbox One-Version.

Eigentlich war es ein gewöhnlicher Tag, der zunächst mit dem Blick in die morgendliche Zeitung und der Gesellschaft eures treuen Begleiters Arthur Hastings anfängt, bevor euch die Morgenpost erreicht und es sollte doch anders kommen. Als euch Hastings die Post bringt, findet ein Brief eure besondere Aufmerksamkeit und der Inhalt ist alles andere als erfreulich, denn in diesem kündigt ein Täter mit Namen ABC an, zum 21. des Monats einen Mord in der Stadt Andover zu begehen. Was sich anfangs wie ein schlechter Scherz anhört, wurde am besagten Tag zur bitteren Realität und so macht Ihr euch gemeinsam mit Hastings auf den Weg nach Andover um Chief Inspector Japp von Scotland Yard am Tatort zu treffen…

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In Microïds aktuellem Adventure-Titel übernehmt ihr die Steuerung von Privatdetektiv Hercule Poirot aus der 3rd-Person-Ansicht heraus und nutzt hierzu beide Analog-Sticks. Während der linke Stick für die Navigation der Figur bestimmt ist, bildet der rechte Stick euren Mauscursor-Ersatz, was in der Praxis gut auf der Konsole funktioniert, auch wenn eine leichte Latenz zwischen der Eingabe und den Bewegungen vorhanden ist. Allerdings ist die Kollisionsabfrage der Objekte zu großzügig ausgefallen, so dass ihr des Öfteren beim Laufen aneckt, wobei noch massig Platz zum oder zwischen den Objekten gewesen wäre. Auch das Betreten von verschiedenen Untergründen gibt euch nicht immer den sichtbaren Freiraum und ihr könnt plötzlich eine imaginäre Wand vor euch haben. Bei der entfernungsbasierten Interaktion mit Objekten bin ich ebenfalls geteilter Meinung, denn auf der einen Seite ist es löblich, dass manche Objekte erst zu einem Spot werden, wenn man sich in der unmittelbaren Nähe befindet, allerdings setzt sich dieses nicht konsequent fort. Manchmal kann man eine Kiste auch öffnen, obwohl man einen halben Raum weit weg steht. Die beiden genannten Punkte sind zwar zu verschmerzen, dämpfen den Spielgenuß meiner Meinung nach etwas.

Optisch macht The ABC Murders bis auf wenige Popups eine hübsche Figur und ich persönlich mag diesen handgezeichneten Grafikstil mit Comic-Look. Auch die unterschiedlichen Szenerien fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein, so dass ich zu keiner Zeit das Gefühl hatte, das ein Ort nicht authentisch wirkt. Ganz im Gegenteil, denn wenn man sich z. B. in einem Haus befindet, kann man anhand der Einrichtung allein erahnen, ob jemand wohlhabend ist oder eher bescheiden lebt. Leider stimmten die Animationen so gar nicht mit den visuellen Lobeshymnen überein und wirken unter Ausnahme der Mini-Games (Rätsel) ziemlich grob bzw. unfertig. Den Anfang macht eure Figur Poirot, der sich beim Laufen überaus Steif anstellt und eine roboterähnliche Armhaltung an den Tag legt. Beschreiblicher wäre es vermutlich wenn ich salopp sagen würde, das er mit seiner Bewegung eine Lokomotive nachahmt. Auch bei den Dialogen muss man oftmals zwei mal hinsehen, ob sich die Münder überhaupt bewegen und wenn, ob die Bewegungen synchron sind. Das ist zum überwiegenden Teil ebenfalls nicht der Fall, aber zu verschmerzen, da dieser Punkt bei vielen Spielen vor kommt. Weniger schlimm sind fehlende Handbewegungen beim aufnehmen von Objekten in das Inventar, aber auch der Punkt sollte zumindest erwähnt werden. Vergleicht man diesen Titel mit einem älteren Point & Click-Adventure wie „Still Life“ oder „Syberia“ weiß man, das Microïds durchaus auch hübsche Animationen hin bekommt. 😉

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Leider muss ich an dieser Stelle noch einmal auf das Thema Dialoge eingehen, denn die sind eine harte Nuss. Ich muss gestehen das ich zwar gar kein französisch kann, aber der englischen Sprache überaus gut gewachsen bin und natürlich stammt Hercule Poirot aus dem schönen Frankreich, aber ich könnte allein durch die Sprachausgabe nur die Hälfte des Abenteuers verstehen. Der französische Akzent in der Kombination mit dem gesprochenen Englisch wäre für mich ohne Untertitel nicht nachvollziehbar. Natürlich wäre eine deutsche Synchronstimme sehr nett gewesen. Sehr schön finde ich die Option verschiedene Fragen Stellen zu dürfen, auch wenn dies keinen Einfluss auf den eigentlichen Spielverlauf hat. Zwar erlangt man für grobe Fragestellungen weniger der sog. Ego-Points, auf die ich am Ende noch eingehen werde und erntet einen bösen Kommentar der befragten Person, jedoch wird sich euer Protagonist dann automatisch für sein Verhalten entschuldigen. Im Laufe eurer Ermittlungen müsst Ihr viele Rätsel in Form von Mini-Games lösen, die teilweise leicht aber auch schwierig sein können. Das reicht von einfachen und logischen Kombinationsrätseln nach dem 1 mal 1 bis hin zu ein paar wirklich anstrengenden Rätseln, die einem keinen konkreten Lösungsansatz mitgegeben haben. Ebenfalls wird eure volle Aufmerksamkeit verlangt, da es bei mindestens einem Rätsel den Moment gibt, wo ihr eine vierstellige Zahl genannt bekommt und diese anschließend nie wieder in euer Gedächtnis gerufen wird. Entweder ihr habt euch diese gut gemerkt, aufgeschrieben oder noch einen zweiten Spielstand, ansonsten kommt ihr außer dem wilden ausprobieren von möglichen Kombinationen nicht um den Einsatz einer Hilfestellung herum, da es kein internes Notizbuch für solche Ereignisse gibt. Zwar gibt es ein Personen-Notizbuch, aber dort wird so ein Ereignis nicht protokolliert. Passagenweise kann ein Mini-Game auch aus mehreren Teilen bestehen und falls ihr den Eindruck habt etwas in der Umgebung übersehen zu haben, müsst ihr das gesamte Rätsel abbrechen um euch noch einmal umschauen zu können. Das kann ziemlich nervig sein, wenn man das gleiche Rätsel immer und immer wieder durchkauen muss. Falsche Lösungsansätze werden von Poirot mit dem gleichen Satz quittiert, der Eingangs als Lösungsvorschlag fungierte, was nicht weiter tragisch ist, aber die Verzögerung beim wegklicken der Ansage ist auf Dauer schon etwas nervig. Ein gewisses Mini-Game welches im Zusammenhang mit den Briefen steht, wiederholt sich in exakter Form insgesamt drei mal und selbst die Dialoge sind gleich, was ziemlich Einfallslos und in meinen Augen gar frech ist, denn es wäre ein leichtes gewesen hier durch einen anderen Text samt Sprache und dem Einsatz anderer Buchstaben ein neues Mini-Game zu realisieren.

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„Let us now try and get our little grey cells to work!“ ist ebenfalls ein sich immer wiederholender Satz, der kurz vor dem automatischen Start eines weiteren Mini-Games ausgesprochen wird, sobald alle offenen Aussagen und Hinweise zur aktuellen Situation vorliegen. In diesem Spiel gilt es die offenen Fragen durch Auswahl der richtigen Kombinationen zu beantworten, was Poirot in seinen Ermittlungen weiter gleichzeitig weiterbringt. Für die Herausforderungs-Junkies gibt es auch eine Sache – die Ego-Punkte. Wer im laufenden Spiel so agiert, wie es Hercule Poirot tun würde, erhält besonders viele Ego-Punkte. Sammeln kann man diese durch Auswahl der „richtigen“ Antworten bei den Befragungen zu wählen und sich im Spiegel zu betrachten, wo immer man einen findet. Auch das nicht verwenden der Hilfestellung bei Rätseln führt zu einem höheren Ergebnis, das am Ende möglicherweise mit einem Achievement belohnt wird. 🙂 Ein weiteres Mini-Game gibt es noch, welches mit den Morden zusammenhängt, aber dies überlasse ich euch. 😉

Agatha Christie: The ABC Murders erscheint am 12. Februar 2016 für PC, PlayStation 4 sowie Xbox One. Die digitale PC-Version ist via Steam bereits seit dem 04. Februar 2016 erhältlich.

Agatha Christie - The ABC Murders

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