Wie lange haben sich Fans einen neuen „Need for Speed Underground 2“-Nachfolger gewünscht und wurden Teil für Teil aufs neue vertröstet. Anstatt auf die Community zu hören, wurde man immer wieder Opfer gescheiterte Versuche eigener Ideen. Das beste Beispiel wäre vermutlich „The Run“, welches mit einer langweiligen Story und Quicktime-Events nervte. Jetzt ist der neue Need for Speed-Reboot erschienen und ich bin gespannt, ob das Underground-Feeling aus dem Tiefschlaf geweckt werden kann! Für diesen Test wurde die Xbox One-Fassung ausgewählt.

Nach einem gepflegten Rennen bei Nacht nimmt die Polizei eure Verfolgung auf, aber ihr könnt die Gesetzeshüter recht mühelos abschütteln. Als die Luft rein ist, lasst ihr euren Beifahrer raus, der bereits Dreck am Stecken hat und keine Sehnsucht nach dem Knast verspürt. Dabei lernt ihr Spike kennen, der mehr als angetan von euren Fahrkünsten ist und euch kurzerhand zu einem privaten Event einlädt, wo ihr unbedingt Travis kennenlernen müsst, der eine Menge Fahrzeuge am Start hat…

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Falls ihr euch jetzt denkt: „Moment mal, rieche ich da wieder eine echte Story?“ ist das zum Teil richtig, aber flippt bitte nicht sofort aus, denn so gut wie bei „Most Wanted“ ist diese beispielsweise leider nicht. Natürlich sind die Zeiten von „Most Wanted“ lange vorbei, aber die Umsetzung war damals sehr gelungen, da die Cutscenes gemeinsam mit dem Titel eine stimmungsvolle Spieltiefe schaften. Im aktuellen Need for Speed wurden die Zwischensequenzen zwar qualitativ gut umgesetzt und auch die spezielle Ego-Ansicht auf Augenhöhe weiß zu gefallen, aber unter dem Strich wäre EAs neuer Racer auch gänzlich ohne ausgekommen, da das Ziel, die Nummer 1 der illegalen Racer-Szene zu werden, von Anfang an vorgegeben ist. In meinen Augen ist der Versuch euch in eine Gruppe zu integrieren, um eine gewisse Beziehung untereinander aufzubauen zwar löblich, aber nicht konsequent realisiert. Es wirkt eher ein wenig aufgesetzt und fast schon Klischeehaft, dass jeder „Homie“ zufällig einen anderen Race-Style interessant findet. 😉 Weiterhin dürft ihr keine dramatischen Wendungen oder ähnliches erwarten und für mein empfinden passen die Zwischensequenzen und das eigentliche Spiel nicht als Einheit zusammen.

Was mich persönlich überaus genervt hat und immer noch nervt, ist diese Telefoniererei! Oftmals kann man nach einer Zwischensequenz nicht mal 100 Meter in Ruhe fahren, ohne das jemand aus eurer Crew anruft um ein Lob loszuwerden, euch aufzubauen oder direkt zu sagen, wo man denjenigen gleich treffen kann. Speziell bei letzterem ist es ja nicht so, das man keine komplette Map samt aller Events besitzt und selbst entscheiden kann, wo man gleich hinfährt. Hier würde ich im nächsten Patch noch die Taste zum Entfernen des Handyakkus begrüßen, damit das Nachtleben in Ventura Bay nicht zur Qual wird 😀 Apropo, ihr möchtet sicher gerne wissen, was euch in der Spielwelt, die fast zwei mal größer als in Need for Speed Rivals [Test 12/2013] ist, erwartet – eine Menge. Insgesamt dürft ihr euch in knapp 80 Events samt Drifting sowie Verfolgungsjagden mit der Polizei versuchen und dafür auf eine Auswahl über 50 Fahrzeuge zurück greifen, die endlich wieder „vernünftig“ aufgemotzt werden dürfen! Natürlich stehen euch die einzelnen Upgrade-Möglichkeiten nicht von Anfang an zur Verfügung, sondern werden im Spielverlauf anhand eurer Reputation freigeschaltet. Insgesamt könnt ihr Level 50 erreichen und mit jedem neuen Rang, dürft ihr euch über frisches Tuning Zubehör freuen. Das schreit doch förmlich nach einem riesigen Fuhrpark voller bis ins Detail veredelten PS-Schleudern, oder? JAEIN, denn ihr habt in eurer Garage nur Platz für 5 Autos! Anders als bei einem Forza Motorsport, soll man nicht einfach wild zwischen den Fahrzeugen wechseln, sondern sich auf seine wenigen Babys konzentrieren. Einige werden die Idee dahinter vermutlich gut finden und auch wenn es eine Menge Geld für verkaufte Autos gibt, möchte ich mich oft gar nicht trennen! Hier hätte ich mir eine Entscheidungsoption gewünscht.

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Kommen wir aber mal zurück zu etwas erfreulichem, denn endlich findet seit der Underground-Serie wieder ein umfangreicheres Tuning Einzug in ein Need for Speed, welches auch für Simulations-Freaks zumindest ein Kompromiss darstellt, denn wann durfte man bei einem NfS schon mal Hand an diverse Settings wie z. B. Reifendruck, Bremskraft oder Fahrwerk anlegen? Sehr schön! Wer trotz den Hilfetexten nicht so versiert mit der Feinjustierung ist, kann alle Settings auch mit einem einzelnen Schieberegler automatisch anpassen und zwischen dem Fahrverhalten „Drift“ und „Grip“ wählen. Mindestens genau so gelungen ist auch der Car-Editor, mit dem sich nun auch Custom-Designs realisieren lassen. Wie man es von anderen Herstellern gewohnt ist, können über 100 verschiedene Decals, Muster und Aufkleber in mehreren Ebenen auf nahezu dem gesamten Fahrzeug deponiert werden. Natürlich ist auch das lackieren einzelner Teile möglich und auf Wunsch sogar in matt anstatt glänzend – ein spezieller Regler macht’s möglich. Leider fällt die Auswahl der Veränderungspunkte bei einigen Fahrzeugen unterschiedlich aus, so dass man speziell bei höherwertigen Boliden wenig Entfaltungsmöglichkeiten geboten bekommt. Bei der großen Auswahl von Aufklebern und Performance-Teilen wundert mich fast schon die sehr magere Auswahl an optischen Anbauten. Es ist zwar schön, dass man wieder Stoßstangen, Schweller und Heckspoiler einzeln kombinieren kann, aber wenn man jeweils nur 2-3 verschiedene zur Auswahl hat, ist das mehr als dürftig.

Auf der Piste macht der neuste Streich aus dem Hause Ghost Games optisch eine recht gute Figur, wenngleich mir die Grafik des Vorgängers zumindest auf der Straße noch besser gefallen hat. Ich will nicht ausschließen, dass dies der ewigen Nacht zu Schulden ist und so viele Details einfach nicht wahrnehmbar sind, oder ob es an diesem körnigem Filter liegt, der hier eingebaut wurde, aber abseits der Garage wirken die Boliden einfach nicht crisp genug. Dafür ist das sichbare Schadensmodell sehr gut in Szene gesetzt worden und lässt kleine Rempler von großen Crashs deutlich unterscheiden. Auch der Sound ist absolut gelungen und bringt die Boliden akustisch oftmals kernig rüber, was besonders mit einer schicken Heimkinoanlage richtig zur Geltung kommt. Wer einige Zeit auf den Strassen verbracht hat, wird sich eventuell gelangweilt fühlen, denn wirklich viel ist in Ventura Bay wirklich nicht los. Das Gameplay ist aber wohl die härteste Nuss und ich weiß wirklich nicht was schlimmer ist – das überaus schlechte Geschwindigkeitsgefühl, die ewigen Ruckler der Xbox One-Version oder die seltsame Handbremse bzw. das daraus resultierende Drift-Verhalten. Falls ihr ausschließlich mit der Außenkamera unterwegs seid, werdet ihr hier besonders schnell merken, das richtiges Tempo-Feeling erst jenseits der 200 km/h auftritt. Bis zum richtigen Adrenalin-Austoß dauert es anfangs also noch, denn dazu müßt ihr für mein empfinden die Marke von 250 knacken. Natürlich gehört auch das Driften zum Kernelement von Need for Speed und ist in vielen Events ausdrücklich erlaubt, aber was noch bei Hot Pursuit (2010) Butterweich von der Hand ging, wird im aktuellen Teil zur richtigen Tortur. Es ist schwierig zu beschreiben, aber wenn man die Handbremse betätigt um den Drift einzuleiten und anschließend in eine enge Kurve einlenkt, kommt es einem so vor, als würde irgendetwas euer Fahrzeug mittels einem Gummiband in die Kurve ziehen – also nicht fein dosiert, sondern mit voller Wucht, was wirklich eine Menge Übung erfordert. Ich bin leidenschaftlicher Racing-Gamer, aber diesen Dreh habe ich noch immer nicht vollständig raus und es fällt mir schwer, das Verhalten der Fahrzeuge dahingehend einzuschätzen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Xbox One-Version besonders nach einer längeren Spielsession zu deutlichen Rucklern neigt, die besonders bei höheren Geschwindigkeiten und Drifts ein großes Nervenkostüm verlangen. Wer neben der Xbox One eine PlayStation 4 sein eigen nennt, sollte bis auf weiteres zur PS4-Version greifen!

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