Bereits seit Monaten fiebert die Zockergemeinde dem neuesten Werk „Little Nightmares“ von Tarsier Studios entgegen – schließlich macht der Titel die kindlichen Urängste zu einem zentralen Thema. Seit dem 28. April 2017 dürfen Spieler sich nun dem bizarren Titel widmen, der zwar auf den ersten Blick an Limbo und Inside erinnert, allerdings als Werk für sich steht. Wir haben uns dem düsteren Universum von „Little Nightmares“ gestellt und verraten in unserem Test, ob man den eigenen Albträumen wirklich entfliehen kann.

Gefangen in einer Welt monströser Giganten

Ein kleines zartes Mädchen mit dem Namen Six erwacht eines Tages auf einem düsteren Schiff, das einsam irgendwo im Nirgendwo umhertreibt. Nur mit einem gelben Regenmantel und einem kleinen Feuerzeug ausgestattet versucht sie einen Ausweg aus der morbiden Welt zu finden, in der kleine Wesen als schmackhaftes Freiwild für riesige Monster herhalten müssen. Was die kleine Six auf das Schiff gebracht hat, ist unklar. Aber dieser Ort verheißt wahrlich nichts Gutes. Denn überhaupt ist alles überdimensional groß und an jeder Ecke lauert ein neuer hungriger Schrecken. Der Albtraum hat begonnen, denn die ersten schweren Schritte nähern sich bereits….

Surreal, düster und bedrohlich

Ohne jede Einführung wird der Spieler mitten ins Geschehen von „Little Nightmares“ geworfen und muss möglichst schnell herausfinden, wie er das Leben seiner kleinen Spielheldin am besten sichern kann. So schleicht Six durch eine surreale, staubige Welt und das ohne jede Waffe oder besondere Fähigkeit, um sich zur Wehr zu setzen. Einzig ein kleines Feuerzeug spendet in der tristen Dunkelheit einen Hauch an Licht, um ein etwaiges Bild von der Umwelt zu gewinnen. Die gesamte Bildsprache wirkt unwirklich und verzerrt und geht ohne jede Textpassage unter die Haut. Dunkle Schatten und überdimensionierte Schauplätze appellieren zu jedem Zeitpunkt an die kindliche Angst des Spielers. Jeder neue Raum erzeugt Beklemmung und lässt nichts Gutes ahnen, wenn ein Brett verdächtig knarrt, es in den hintersten Ecken raschelt oder klimpernde Utensilien vom Himmel fallen.
Fünf albtraumhafte Kapitel erwarten den Spieler, die allesamt stimmungsvoll inszeniert sind und durchweg durch eine verräterische Dunkelheit miteinander verbunden sind. Schleimige Blutegel lassen sich von der Decke fallen, eine müffelnde Küche voller Töpfe heißt uns hämisch willkommen, bis Six sich schließlich durch ein Meer herrenloser Schuhe ihren Weg bahnt. Vorsicht und leises Vorgehen ist hier Pflichtprogramm, denn bereits der kleinste Fehltritt reicht aus, um die Aufmerksamkeit der monströsen Bewohner zu erregen.

Da wäre beispielsweise ein dünner augenloser Mann, der Six mit seinen spinnenartigen Armen bis in die hinterste Ecke folgt oder aber ein ächzender Koch, der schon darauf wartet, uns mit seinen schwülstigen Händen in den Kochtopf zu werfen. Sämtliche physikbasierten Rätsel sind perfekt in die Szenerie eingebettet und bestehen im Kern darin, sich auf geschickte Weise einen Weg durch das düstere Labyrinth zu bahnen. So muss der Spieler sich beispielsweise an einer Wurstkette zu einem kleinen Verschlag hangeln, einzelne Hebel betätigen, um den Strom abzuschalten oder riesige Möbelstücke erklimmen.

Eine einzigartige Bildsprache, die jedes Wort entbehrlich macht

Getragen wird das Spiel maßgeblich durch ein beeindruckendes Artdesign, das den lebenden Albtraum nicht besser verkörpern könnte und jegliche Texte und Dialoge entbehrlich macht. Sämtliche Schauplätze sind durch das richtige Spiel aus Schatten und Licht gekonnt in Szene gesetzt und vor allem die bizarren Figuren unterstreichen das surreale Spielgefühl. Untermalt wird die optische Präsentation durch eine bedrohliche Klangkulisse, die zielgenau einsetzt und die Spannung teilweise ins Unermessliche treibt. Tiefe Bässe, subtil eingespielte Musikstücke sowie mysteriöse Melodien erzeugen eine schaurige Atmosphäre, die den Spieler zu jedem Zeitpunkt zur Flucht animiert.

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