Verwunschene Orte eignen sich nicht selten als perfekte Kulisse für farbenfrohe Adventures – offenbaren sie den Spielern doch eine ganze Bandbreite interessanter Rätsel. Das Puzzle-Adventure „RiME“ von Tequila Works erzählt den Spielern eine emotionale Geschichte ohne dabei auch nur ein einziges Wort zu verlieren. Doch ob der ganz eigene Stil des Titels auch spielerisch überzeugen kann?

Wenn man ganz allein ist. Oder etwa nicht? Ein mächtiger Sturm wütet über dem Ozean und gellende Blitze schnellen über die tosenden Wellen. Ein einsames Schiff wird durch die Wassermassen hin -und hergeschleudert und schließlich von selbigen erfasst. Dann folgt der Szenenwechsel: Ein kleiner Junge erwacht an einem friedlichem Strand einer scheinbar menschenleeren Insel. Was ihn an diesen Ort gebracht hat, weiß er nicht. Einzig ein roter Umhang zählt zu den wenigen Kleidungsstücken, die ihm verblieben sind. Als er sich umsieht und die Insel Stück für Stück erkundet, zeigt sich ihm eine ebenso idyllische wie ausgestorbene Landschaft. Überhaupt versprüht die Insel ein beinahe gespenstisch schönes Flair. Als der Junge weiter ins Innere der Insel vordringt, macht er eine Begegnung der besonderen Art. Ein kleiner Fuchs hat sich selbst als sein persönlicher Guide auserkoren und weist ihm mit seiner Spürnase den Weg. Doch wohin wird der haarige Gefährte den Jungen führen? Und was genau hat ihn an diesen Ort gebracht?

Was ist hier passiert?

Bereits nach kurzer Zeit verdeutlicht die eigentümliche Symbolik sowie der sanfte Erzählstil, dass es sich bei „RiME“ um ein ganz besonderes Spiel handelt. Und auch wenn das Spiel gänzlich ohne Dialoge auskommt, weist das Geschehen völlig eindeutig auf entscheidende Details hin, die für das Vorankommen relevant sind. Überall trifft man auf Ruinen, Tempelanlagen, kryptische Malereien und magische Lichter, die Zeugen einer längst vergessenen Welt sind. Sollte der Spieler hier doch einmal auf dem Schlauch stehen, ist sofort sein haariger Freund zur Stelle und macht ihm mit einem gut hörbaren Laut auf den richtigen Weg aufmerksam. Vier verschiedene Level bilden die Spielwelt von „RiME“, die allesamt nicht unterschiedlicher ausfallen könnten. Hat der Spieler ein Areal absolviert, erklimmt er jeweils ein Stück eines eingeblendeten Leuchtturms, der den Übergang zur nächsten Welt bildet. Hierbei führt der Weg durch ein schillernd erleuchtetes Portal, in welchem mittels einer Zwischensequenz eine entscheidende Erinnerung dargelegt wird, die den Spieler Stück für Stück an die Wahrheit rund um die Insel heranführt. Ein besonders Kernstück des Adventures bilden die ausgiebigen Erkundungssequenzen der labyrinthartigen Ruinen, die immer wieder an das räumliche Vorstellungsvermögen des Spielers appellieren. So gilt es, einzelne Objekte miteinander zu verschmelzen, Türen mit den richtigen Mechanismen zu öffnen, Gegenstände neu zu positionieren oder Felswände entlangzuklettern. Hierbei kommt dem Jungen vor allem seine Stimme zu Hilfe, mittels derer sich bestimmte Mechanismen aktvieren lassen. Sofern ein Schrei mal nicht laut genug ausfällt, hilft der Einsatz ausgewählter Verstärkerobjekte. Überhaupt beschränkt sich das Geschehen fast ausschließlich auf den Entdeckergeist des Spielers und serviert ihm nur eine Handvoll verschiedener Gegner. Eine Waffe wird zu keiner Zeit gezückt – vielmehr gilt es, bei vereinzelten Feinden die Flucht anzutreten.

Grafik: Sieh genau hin!

Optisch präsentiert sich „RiME“ in einem einfachen und gleichzeitig außergewöhnlichen Grafikstil, der von satten Farben und einem atmosphärischen Lichteinfall geprägt ist. Vor allem der Soundtack versteht es perfekt, Emotionen zu übermitteln und den Spieler zunehmend in das Geschehen eintauchen zu lassen. Sanfte Streicher bestimmen die Stimmung des Titels und verleihen jeder Szene den richtigen Hauch von Melancholie. Die Tatsache, dass das Spiel gänzlich auf Texte und Dialogsequenzen verzichtet, tut dem Ganzen keinen Abbruch, da die Spielwelt auf seine ganz eigene Weise mit dem Spieler kommuniziert.

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