Die Kunst der Vorfreude: Eine Analyse des GTA VI Trailers

Da ist er nun. Der Trailer zu GTA VI. Eine eigentlich sehr zurückhaltende Einleitung dafür, dass der Trailer innerhalb von 24 Stunden bereits über 90 Millionen Aufrufe auf YouTube hatte. Damit gehört das Spiel schon jetzt zur meistgesehenen Videospielankündigung aller Zeiten. Aber es war klar, dass das Internet schon mit dem ersten Trailer brennen würde. Und so kam es auch. Der ca. anderthalbminütige Trailer zeigt uns bereits einiges zur Spielwelt und den Figuren. Manches daraus lässt sich sehr genau interpretieren, andere Dinge wiederum lassen Raum für Vermutungen. Ich habe mir den Trailer mal (oder evtl. auch sehr oft) angesehen und analysiere, was der Trailer uns alles verrät.

Welcome to Vice City

Bereits der erste Shot in Sekunde 3 ist hochspannend. Hier sehen wir einen Blick auf die Welt, bei der es sich um Vice City handelt. Ähnlich, wie beim namensgebenden Teil aus den frühen 2000ern, ist das Bild in einen pink, lila, orangenen Ton umhüllt. Die Anspielung ist unverkennbar und dürfte zumindest die Hoffnung anregen, dass GTA: Vice City auch noch an anderen Stellen aufgegriffen wird. Kaum zu übersehen ist aber die grafische Opulenz. Wir sehen hervorragende Wasserreflektionen, detaillierte Wellenanimationen, einen Dunst über der Stadt und auch Lichtreflektionen der Autoscheinwerfer. Was hier bereits auffällt ist, dass GTA VI einen wahnsinnigen Fortschritt bei der gesamten Belichtung gemacht hat. Eines der wichtigsten Elemente für ein gutaussehendes Spiel. 

Bei Sekunde 7 hören wir erstmals die Vertonung. “Lucia”. Der Name der/ einer der Hauptprotagonisten des Titels. Sie blickt in Häftlingsklamotten auf einen Gefängnishof. Unklar ist allerdings, ob dies eine Szene aus dem Intro des Spiels ist oder ob sie zu einem späteren Zeitpunkt spielt. Denkbar ist, dass es tatsächlich einen frühen Ausgangspunkt des Spiels abbildet, um Lucia näher kennenzulernen, wie sie aus dem Gefängnis kommt, um anschließend Vice City mit den Spieler*innen “neu” kennenzulernen. Die Charaktermodelle sind dabei detailliert und gut ausgearbeitet. Zwar keine Meilensteine in der Charakterdarstellung, aber um einiges besser als im Vorgänger. Die Animationen wirken in der Szene teils etwas hölzern. 

Details en masse

Die nächste Szene ist ein Shot, der vom Meer den Blick auf die Stadt hebt. Die Wasseranimationen sind hier nun bei Tageslicht zu bewundern und wirken hier nochmal beeindruckender. Erneut sind es die Lichtreflektionen im Wasser, die mich absolut begeistern. Boote, Jet Skies, Delfine. Es tummelt sich auch einiges im Wasser herum. Nur Deko oder auch Interaktionsmöglichkeit? Ich tippe auf Letzteres. Beim Blick auf die Stadt, die Miami-Vibes versprüht, sehen wir in der Ferne ein Flugzeug mit einem Banner. “Nine1Nine – Why sixtynine when you can nine1nine” lautet die Aufschrift. Ein Insider? Leider wissen wir nicht, was es damit auf sich hat. In welchem Kontext sixtynine steht, nun gut, das muss ich kaum erklären. Jedoch könnte Nine1Nine eine Anspielung auf eine fiktive Marke in Bezug auf sexuelle Praktiken sein. Wäre jetzt auch nicht untypisch für Rockstar. 

Bei Sekunde 18 lässt sich einmal mehr die Belichtung beim Shot auf ein Wohnkomplex bewundern. Nicht nur das, auch wie detailliert die Gebäude gestaltet sind, ist für ein Spiel dieser Größe beeindruckend. Es lassen sich Gardinen und sogar Handtücher auf den Balkonen entdecken, die zum Trocknen raus gelegt wurden. Ein ähnlich hoher Detailgrad ist bei Sekunde 21 zu entdecken. Die vorbeifliegende Horde von Flamingos ist hervorragend animiert, während mich die wahnsinnig detaillierte Vegetation noch mehr begeistert. Einzelne Grashalme mit teils sehr genauen Farbübergängen in der Masse, das ist selten. Der anschließende Shot ist nicht minder beeindruckend. Wo soll ich da anfangen. Denn die Szene ist voll von Leben! So viele Charaktere und alle sehen so unterschiedlich und detailliert aus. Verschiedene Köpertypen, Hautfarben, Gesichtskonturen und Outfits. Dazu werten die Texturen die Szene umso mehr auf. Man beachte beispielsweise, wie manche Körper glänzen, sei es durch Schweiß oder Sonnencreme. Ein vielleicht schnell zu übersehendes Highlight ist der Sand! Auch hier fasziniert mich wie fein dieser dargestellt wurde und wie die Fußabdrücke darin zu sehen sind. Außerdem sehen wir, wie dieser teils an den Füßen der Badegäste klebt. Absolut beeindruckend! An anderer Stelle sieht man den feinen Sand aufwirbeln, als zwei Jogger durch die Szenerie laufen.  

Pimp my Ride

Einen eher inhaltlichen Hinweis finden wir aber bei Sekunde 28. Hier biegt ein bis zur letzten Rille getuntes Fahrzeug auf einen Hof, der scheinbar noch mehr schicke Karren bereithält. Das dürfte eine klare Anspielung darauf sein, wie sehr wir in GTA VI unsere Fahrzeuge anpassen und designen können. Hinter Tuning dürften wir also einen Haken machen. Aber auch hinter Motorräder! Denn davon sehen wir ein Exemplar ebenfalls am Straßenrand stehen. 

Die Sekunde danach sehen wir eine Szene, die…nun ja, einen Nachtclub darstellt, in dem es heiß hergeht. Das ist für die Reihe nichts Neues, doch welcher Detailgrad hier im Vergleich geboten wird, ist auf einem anderen Level. Der Club ist von oben bis unten feinsäuberlich dekoriert und ausgearbeitet. Zudem ist die Menge an Menschen nichts im Vergleich zu dem, was wir bisher aus der Reihe kennen. Inwieweit es aber eine inszenierte Szene ist oder tatsächlich nächtlich im Club zu erleben ist, lässt sich nicht abschätzen.  

Da ich das Lob über Detailreichtum, Belichtung und Charaktermodelle über die nächsten Szenen weiterführen könnte, spring ich mal zur Sekunde 41. Von da an werden nämlich sehr viele Social-Media-Clips gezeigt, die an TikTok oder Instagram erinnern. Dabei handelt es sich auch um viele echte Videos, die man hier im Spiel nachgestellt hat und sich auch so tatsächlich im Netz als Original finden lassen. Rockstar scheint Anspielungen zu lieben. Dadurch erhebt sich auch gleichzeitig der Verdacht, dass das Spiel sehr großen Fokus auf eine eigene Social-Media-Plattform setzen wird, bei der man eigene Clips hochladen kann, liken und kommentieren kann. Denn letztere Funktionen sehen wir auch im Trailer. Dies wäre im Übrigen auch ein denkbares Element für den Online-Modus, welcher hier im Trailer jedoch gar nicht erwähnt oder gezeigt wurde.  

Bonny & Clyde

Bei Minute 1:01 sehen wir dann erstmals die männliche Hauptfigur neben Lucia. Jason. Offensichtlich sind sie auf der Flucht. Worauf die panischen Gesichter beim Vorbeifahren der Polizeiautos und die Halstücher, als auch das Geld in Lucias Hand schließen lassen. Unklar ist, ob sich damit die Lücke zur Anfangsszene schließt und ob der Diebstahl vor oder nach der Gefängnisszene spielt. Die männliche Figur gewährt in dem Trailer jedoch einen erheblich geringeren Einblick in die Rolle. Optisch erinnert mich der Charakter ein wenig an Nico Bellic aus GTA IV, wobei die Figur in GTA VI zum einen deutlich älter aussehen müsste, als auch beim Aussprechen der einzigen Zeile, “Trust”, mehr Akzent herauszuhören sein sollte. Fest steht aber, dass es sich bei den Beiden um ein Paar handelt. Das wäre ein Novum für die Reihe und bietet erzählerisch sehr spannende Dynamiken. Per D-Pad lässt sich, wie im Vorgänger auch, zwischen den Figuren hin und her wechseln. 

Einmal muss ich aber noch über die Technik hochjauchzend abfeiern. In Minute 1:08 laufen Lucia und ihr männlicher Anhang durch einen Store. Das Besondere an der Szene ist, aber die Ausgestaltung der Umgebung. Nicht selten erleben wir, dass gerade Stores in Videospielen gerne mal Texturtapeten spendiert bekommen und/ oder eher kantig gestaltete Objekte die Regale zieren. Doch GTA VI grenzt an Fotorealismus. Jedes einzelnen Objekte wirken so realitätsnah, so fein gestaltet, so detailliert, wie ich es in dem Ausmaß in keinem Spiel zuvor gesehen habe. Dazu taucht die Beleuchtung die ganze Szene in ein nachvollziehbares Bild, welches zudem die Flaschen in den Regalen leichte Reflektionen auf die Oberfläche zaubert. Gemessen an der Größe des Spiels, ist diese technische Errungenschaft noch beeindruckender.  

Geduld, Geduld….

Und dann kommt sie am Ende, die ernüchternde Zahl. 2025. Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis wir endlich selbst Hand anlegen dürfen. Dann werden es bereits 12 Jahre nach GTA 5 sein. Als letzte Ergänzung zum Trailer selbst sollte die musikalische Untermalung nicht unerwähnt bleiben. “Love is a long Road” nennt sich der Song von Tom Petty aus den späten 80ern, der den Trailer begleitet. Der Name des Songs ist jedoch schon mal eine weitere, indirekte Bestätigung, dass die Story rund um das Pärchen ein sehr zentrales Element sein wird. Eine echte Bonny & Clyde Geschichte. Wie facettenreich die Figuren am Ende sind, bleibt abzuwarten und gleichermaßen spannend. 

Doch was können wir aus dem Trailer sonst noch ziehen? Es wird, wenig überraschend, GTA in Reinkultur. Anhand der Social Media aufgriffe, dürfen wir wieder ein Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft erwarten, welches gern mal überspitzt, aber auch einen sehr alltäglichen Wahnsinn zeichnet. Die Stadt Vice City wird uns sicher ein facettenreicher Gute-Laune-Spielplatz sein, welcher sicherlich auch die ein oder andere Anspielung aus GTA: Vice City bereithält. 

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Eine eher letzte, technische Frage bleibt aber aus. Denn der Trailer feuert ein Feuerwerk visueller Darbietungen ab, sodass sich die Frage stellt: Wie gut läuft das denn am Ende? Auf dem PC schon mal gar nicht, denn der Titel erscheint zunächst nur für PS5 und Xbox Series X|S. Typisch Rockstar eben. Als hätte man in diesem gigantischen Team keine Kapazitäten für eine PC-Version. Jedoch müssen sich die Konsolen die Frage stellen lassen, wie dieses hübsche Spiel in dieser großen Welt unter dem gigantischen Detailreichtum performed. Ich glaube nämlich, dass wir lediglich 30 Frames per Second geboten bekommen. Dafür ist der Detailgrad einfach zu immens, das Treiben zu bunt, die Welt zu groß. Denkbar wäre eine 60 fps-Version höchstens, wenn Rockstar die Auflösung stark runter dreht und die Menge an NPC’s auf den Straßen reduziert. Doch bis wir dazu noch mehr Informationen erhalten, werden sicher noch einige Monate ins Land ziehen. 

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