TEST

Dead in Vinland

Kann die Portierung für Nintendo Switch überzeugen?

Präsentation
5
Spieldesign
6
Atmosphäre/Story
7
Balance
6
Umfang
9

Das beliebte Survival-Spiel Dead in Vinland findet endlich seinen weg auf die Nintendo Switch. Wir haben das komplexe Spiel – das Survival-, Strategie, und Rollenspiel-Elemente miteinander vereint – getestet und verraten euch, ob die Portierung uns überzeugen konnte.

Neuaufbau wider Willen

Das vom französischen Entwickler-Team CCCP hervorgebrachte Dead in Vinland wurde ursprünglich im April des letzten Jahres für den PC veröffentlicht und erfreut sich seither einer recht großen Beliebtheit. Nun hat es der Titel auch auf Nintendos Hybridkonsole geschafft. Doch bevor wir auf die Vor- und Nachteile zu sprechen kommen, fangen wir am besten ganz vorne an. Das Spiel erzählt die Geschichte einer vierköpfigen nordischen Familie, angeführt von Eirik, dem Familienoberhaupt. Dessen uneheliche Abstammung zwang die Familie dazu ihre eigentliche Heimat zu verlassen und auf eine unbekannte und unheimliche Insel zu flüchten. An dieser Stelle setzt der Titel an und beauftragt euch mit dem Neuaufbau eines geeigneten Lagers. Im weiteren Verlauf trefft ihr unter anderem auf Björn Kopfspalter, der – wie der Name es bereits erahnen lässt – nichts Gutes im Schilde führt und auf der Insel für eine Menge Aufruhr sorgt.

Dead in VinlandHier haben sich die Entwickler für eine eher simple Herangehensweise und eine entsprechend einfach gestrickte Geschichte entschieden. Aufgepeppt wird diese allerdings von den vielen verschiedenen Charakteren, die euch im Laufe der Handlung begegnen. Jeder hat eine eigene, teils sehr spannende Geschichte und die meisten könnt ihr sogar für euer Lager rekrutieren. Von Tänzerinnen bis hin zu Händlern und alten Damen ist eigentlich alles vertreten. Ein ganz nett gemeintes Feature ist dabei übrigens das Dialog-System, welches euch selbst einige Entscheidungen treffen lässt. Leider wirkt das Ganze nicht hundertprozentig gut umgesetzt, da euch oftmals auch die Entscheidungsgewalt einfach entrissen wird, wodurch sich im schlimmsten Fall sogar vorangegangene Entscheidungen wieder hinfällig anfühlen. Hier wäre eine klarere Linie vielleicht angebrachter gewesen.

Eure Aktionen haben Folgen

Der allgemeine Spielverlauf ist sehr von rundenbasierten Elementen geprägt. So wird unter anderem ein Tag im Spiel in drei Abschnitte eingeteilt. Sowohl morgens als auch nachmittags weist ihr zum Beispiel euren Charakteren Aufgaben zu, die sie dann für euch erledigen. Zu diesen Aufgaben zählen nicht nur Dinge wie das Erkunden der Insel, sondern auch die Trinkwassergewinnung oder der Bau von Unterkünften. Jeder Charakter kann grundsätzlich jede Aufgabe zugewiesen bekommen, jedoch wird nicht jeder davon die Aufgabe mit der gleichen Qualität abschließen. Entscheidend hierfür sind die Grundwerte der Figuren – ist Charakter X ein begabter Handwerker und schlecht im Erkunden, so macht es wenig Sinn, ihn auf eine Erkundungstour zu schicken.

Dead in VinlandDie Aufgaben, mit denen ihr eure Gruppe beauftragt, sind essenziell für das Erreichen des übergeordneten Ziels – dem Überleben. Deshalb solltet ihr Aufgaben nicht leichtfertig verteilen, sondern viel Zeit in das Studieren der Werte eurer Charaktere investieren. Sollte eine der Figuren bei Werten wie „Erschöpfung“, „Hunger“ oder „Verletzung“ in die kritische Zone rutschen, stirbt sie. Bei Nebencharakteren hat das lediglich den permanenten Tod jener Figur zur Folge, während es bei Familienmitgliedern zum Abbruch des Spiels führt. Eure Aktionen haben also wirklich Folgen. Das sorgt für Spannung und zwingt euch zum überlegten Handeln. Ebenfalls spannend, jedoch nicht ganz so folgenreich ist der dritte Tagesabschnitt – die Nacht. Hier könnt ihr eure Gruppe mit Nahrung verpflegen und ihren Gesprächen lauschen. Das Prinzip der drei Tagesabschnitte funktioniert wahrlich gut und hält diesen gewissen „eine Runde geht noch“-Effekt parat, da ihr nach jedem Abschnitt speichern und aufhören könnt.

Überspringen bitte!

Im Laufe der rund 40-stündigen Kampagne von Dead in Vinland begegnet ihr selbstverständlich nicht nur fröhlich und euch freundlich gestimmten Figuren. Deshalb stehen auch regelmäßig Kämpfe auf der Tagesordnung eurer Gruppe. Bei der Entdeckung eines neuen Ortes zum Beispiel, kann es immer wieder zu Begegnungen mit Feinden kommen. Die Kämpfe selbst laufen ebenfalls rundenbasiert ab, bieten aber leider nicht so viel Tiefe wie der Rest des Spiels. So stehen euch nur fünf verschiedene Fähigkeiten zur Verfügung, die ihr euren Feinden um die Ohren haut. Das Ganze wirkt oftmals aber ziemlich wirr und kommt nicht so recht in Fahrt, weshalb man irgendwann dazu neigt, sich eine „Überspring“-Funktion herbeizuwünschen.

Dead in VinlandNeben den eher langweiligen Kämpfen und dem durchwachsenen Dialog-System, ist die größte Schwäche der Portierung von Dead in Vinland allerdings die Präsentation oder besser gesagt die Präsentation der Texte. Es gibt nämlich keine Vertonung, weshalb ihr hier viel lesen müsst. Prinzipiell ist sowas natürlich kein Problem, doch gerade im Handheld-Modus sind die Texte viel zu klein und schwer zu entziffern. Es empfiehlt sich also gerade den textlastigen Anfang samt Tutorial im TV-Modus zu spielen. Abgesehen davon macht der Titel eine solide Figur und punktet vor allem in Sachen Umfang. In der „True Viking“-Edition sind nämlich nicht nur alle bereits erschienenen DLC-Inhalte enthalten. Nein, auch ein Endlos-Modus, der euch den reinen Survival-Kampf bietet und auf eine Geschichte verzichtet. Viele neue Dialoge und sogar einen Hund, der euch als treuer Begleiter dient – wenn ihr ihn denn findet.

Auch die angepasste Steuerung funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ziemlich gut. Allerdings hätte man hier noch ein paar Extra-Punkte einfahren können, wenn man den Touch-Screen unterstützt hätte.

Domenik Boss
Redakteur

Meinung

Die Nintendo Switch-Portierung von Dead in Vinland lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Während das Managen des eigenen Dorfes samt mehreren Individuen eine Menge Spaß macht, mich die Angst vor dem permanenten Tod einer Figur antreibt und der Umfang mich im positiven Sinne erschlägt, kann ich leider nicht über die Macken des Titels hinwegsehen. Dem Kampfsystem fehlen die nötige Tiefe und der letzte Schliff, die Präsentation der vielen vielen Texte im Handheld-Modus ist grausam und auch das Dialog-System ist nicht fehlerfrei. Für den recht niedrigen Preis bekommen Genre-Fans hier jedoch die geballte Ladung Survival-RPG, die sie über 40 Stunden vor die Switch fesseln kann. Dafür muss man allerdings über die Fehler hinwegsehen können.

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