Drei Jahre sind vergangen, als Ninja Theory ihr neuestes Werk „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ ankündigte und damit für viel Vorfreude sorgte. Nun haben die Entwickler Nägel mit Köpfen gemacht und wollen mit dem am 08. August veröffentlichten Titel neue Pfade beschreiten. Das Action-Adventure erzählt die Geschichte der jungen Kriegerin Senua, die sich nicht nur den mythischen Göttern, sondern vor allem auch ihren inneren Konflikten stellen muss. Ob das Spiel fernab der üblichen Blockbuster gelingt und auch uns zu berühren weiß?

Ein Trip in die Unterwelt

Der Spieler schlüpft in die Rolle der keltischen Kriegerin, die sich durch das dunkle Land der Wikinger schlägt. Angetrieben von dem Wunsch nach Rache begibt sie sich in das Reich der Toten, um ihren Geliebten aus den Fängen des Bösen zu befreien. Doch nicht nur die Unterwelt macht der jungen Kämpferin dabei zu schaffen, vielmehr ist es Senua‘s schwere Psychose, die ihre Realitäten zunehmend verschwimmen lässt. Immer wieder verwandelt sich Senua‘s Umgebung in eine lebende Hölle, aus welcher die Arme tierartiger Untoter gierig nach ihr greifen. Schnell wird dem Spieler klar, dass Senua sich auf ihrer Reise nicht nur der finsteren Götting Hela, sondern vor allem auch sich selbst stellen muss.

Was ist Wirklichkeit, was ist Illusion?

Bereits nach wenigen Spielminuten stellt der Spieler fest, dass „Hellblade: Senua’s Sacrifice“sich vor allem wegen seiner ganz besonderen Darstellung zu einem außergewöhnlichen Erlebnis entfaltet. Die Zeichnung einer von Psychosen gebeutelten Heldin schafft ein immersives Spielerlebnis, das sich perfekt in die tiefgründige Hintergrundstory einbettet. Dabei erzeugt das Spiel ein unvergleichliches Gefühl der Bedrohung und zeigt sich zuweilen derart finster und bedrückend, dass man die eigentliche Mission immer wieder in Frage stellt. Düstere Wälder, Stimmen aus dem Nichts und übermächtiges Grollen am Horizont lassen den Spieler immer wieder daran zweifeln, ob die jeweiligen Schauplätze wirklich echt sind. Getragen wird der Titel zudem durch die realitätsnahe Performance der Heldin Senua, die ihr Seelenleben quasi zu jeder Sekunde greifbar macht.

Gierige Klauen greifen nach dir!

Doch obgleich der Spieler seine Umwelt gerne mal als Fantasiegebilde abtut, so verlieren doch die düsteren Kreaturen nichts an ihrer Gefährlichkeit. So machen Hela‘s Untergebene immer wieder Jagd auf den Spieler und erscheinen zeitweise wie aus dem Nichts. Zum Teil fallen die einzelnen Attacken der Schreckensgestalten so gnadenlos aus, dass ein treffsicheres Ausweichen und Kontern unerlässlich ist, um sich gegen sie zu behaupten. Hier zeigen die Entwickler Einfallsreichtum und verlangen dem Spieler die verschiedensten Strategien ab, damit dieser seine Feinde aus dem Weg räumen kann. In diesem Kontext kommt auch ein verhängnisvolles Spielelement, die sogenannte Dunkelheit, zum tragen. Mit jedem mal, wenn Senua im Kampf ein Leben lässt, breitet sich die schwarze Seuche, beginnend bei der Hand, am Körper aus. Hat sie schließlich ihren Kopf erreicht, setzt Senua‘s Verstand vollends aus und das Spiel ist samt jedem Fortschritt vorbei. Die Mission ist gescheitert und das Spiel beginnt von vorne. Neben den greifbaren Gegnern ist Senua zudem auch immer wieder den Stimmen in ihrem Kopf ausgeliefert, die ihr hastig Wortfetzen zuflüstern, sprechen, sticheln und sie stetig antreiben. Sind sie im ersten Moment noch eine liebevolle Hilfestellung, fallen sie an anderer Stelle beinahe bösartig aus und zeigen immer wieder Senaus Gedankenwelt.

Wenn die Dunkelheit fast greifbar ist

Hinsichtlich der Grafik liefert „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ eine gelungene Inszenierung, die nicht besser den Realitätsverlust der jungen Kriegerin präsentieren könnte. Neben einer gelungenen Texturierung ist es vor allem das Spiel mit der Farbsättigung, die die jeweilige Stimmung bildlich wiedergibt. Unterstrichen wird die unwirkliche Welt durch eine Vertonung, die wie maßgeschneidert auf jede Szene scheint und die Atmosphäre nicht besser erzeugen könnte. Setzt an manchem Passagen ein ruhiger und mystischer Klangteppich ein, werden vor allem Kampfszenen mit teils verstörenden Tönen untermauert.

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