Während Monster Hunter in Japan von Anbeginn Verkaufszahlen in Millionenhöhe schrieb, staubte die Serie in Deutschland seinerzeit nur müde in Regalen vor sich hin. Nun legt Capcom nach und geht in „Monster Hunter: World“ mit gewetzten Klingen erneut auf Monsterhatz. Ob es dem Action-Rollenspiel diesmal gelingt, auch hierzulande den Jagdinstinkt der Zockergemeinde zu wecken oder den Kritikern vielmehr zum Fraß vorgeworfen wird?

Eine Reise in eine fremde Welt

Wie auch beim Vorgänger dient die Story auch diesmal als logisches, aber simples Beiwerk. Die Drachenältesten wandern aus unerfindlichen Gründen in die neue Welt über und lassen damit das Gleichgewicht der Natur völlig aus den Fugen geraten. Um den wilden Kontinent unter die Lupe zu nehmen, begibt sich der Spieler gemeinsam mit einem Team per Luftschiff über das Meer. Dabei kommt es jedoch zu einem folgenschweren Zusammenstoß mit dem Drachenältesten Zorah Magdaros und die Flotte geht schließlich unter. In letzter Sekunde kann der Spieler sich ans Ufer retten und sieht sich binnen Sekunden ohne Rüstung und Waffen furchteinflößenden Ungetümen ausgesetzt. Glücklicherweise ist der Außenposten Astera schnell geortet, bevor eines der meterhohen Monster seine Krallen ausfahren kann. Doch an dieser Stelle beginnt das Abenteuer erst. Denn der Kommandant höchstpersönlich beauftragt den Spieler dazu, die neue Welt zu erkunden und dabei jeder Bedrohung den Gar auszumachen.

Bauen bis der Hammer glüht

Wenn auch Monster Hunter: World deutlich komplexer als sein Vorgänger ausfällt, darf der Spieler sich hier erneut voll und ganz aufs Jagen und Kämpfen besinnen. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist an dieser Stelle das Lager, welches nicht nur als willkommener Rückzugsort dient, sondern vor allem auch zum Experimentieren einlädt. Wird in der Kantine vornehmlich fürs leibliche Wohl gesorgt, lassen sich in der Schmiede Ressourcen einschmelzen und Talismane, Waffen und Ausrüstung fertigen. Alle wichtigen Rohstoffe findet ihr entweder auf eurem Streifzug oder luchst sie den verschiedenenartigen Monstern ab, sobald ihr sie bezwungen habt. Während Pilze und Kräuter als Basis für Heiltränke dienen, lassen sich aus den Knochen und Zähnen der Kreaturen Werkzeuge oder Equipment bauen. Als ein besonderes Highlight des Titels erweisen sich selbstredend die Bosskämpfe, welche durch die ganz individuellen Angriffs- und Verteidigungsmuster der riesigen Viecher für die notwendige taktische Tiefe sorgen. So gilt es, in jedem Duell die jeweiligen Schwachstellen des Gegenübers auszuloten und diese für den eigenen Vorteil zu nutzen. Während einige Monster durch das Brechen des Schutzpanzers verwundbar werden und andere durch das Abtrennen von Gliedmaßen Schwäche erhalten, werden nächste wiederum durch den Angriff mit Wasser ins Jenseits befördert.

Mittendrin im Saurier-Revierkampf

Damit der Spieler für jede Schlacht bestens gewappnet ist, stehen vierzehn einzigartige Nah- und Fernkampfwaffen, wie zum Beispiel Hammer, Bogen oder Schwert zur Verfügung, welche vorab ausgiebig auf dem Trainingsplatz ausprobiert werden können. Eine besondere Lebendigkeit erhält das Spiel zudem durch die Tatsache, dass Monster Hunter: World ein ganz eigenes Ökosystems besitzt, in welchem die Bewohner auf ihre ganz eigene Art und Weise miteinander interagieren. Während imposante Pflanzenfresser so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann, wird der in den Sümpfen beheimatete Jyuratodus vor allem dann ungemütlich, wenn man ungefragt in sein Revier eindringt. Doch auch wenn es gerade einmal nicht hektisch zugeht, lädt die weitläufige Welt immer wieder dazu ein, innezuhalten und die atmosphärische Umgebung auf sich wirken zu lassen. Neben dichtem Urwald und fahler Wüste erwarten den Spieler ein leuchtendes Korallenriff, verzweigte Höhlengänge sowie eine epische Lavalandschaft. Wenn auch man selbstredend als Einzelkämpfer durchweg gut gefordert ist, macht das Jagen vor allem in einer Gruppe erst richtig Spaß. Insbesondere knackige Bosskämpfe erhalten entscheidende strategische Vorteile, wenn ein Koloss von allen Seiten belagert werden kann.

Wenn jeder Grashalm zum Greifen nah wirkt

Wenn auch Monster Hunter: World grafisch keine neuen Maßstäbe setzt, trägt die gelungene Optik maßgeblich dazu bei, das ganze Szenario in jeder Sekunde natürlich und authentisch wirken zu lassen. Farbenprächtige Sonnenuntergänge, sanft wiegende Grashalme sowie leuchtendes Firmament beweisen, dass die Entwickler hier kein Detail ausgelassen haben. Dazu gesellt sich ein stimmungsvoller Soundtrack, der vor allem actionreiche Sequenzen punktgenau untermalt und sich sonst angenehm dezent im Hintergrund hält.

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