Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah! Crazy Taxi ist eines der ikonischsten Arcade-Spiele aller Zeiten und hat mittlerweile 27 Jahre auf dem Buckel. Das Prinzip ist simpel: Möglichst viele Fahrgäste in möglichst kurzer Zeit ans Ziel bringen. Zur Vorbereitung auf diese Preview habe ich noch einmal das Original auf der Dreamcast gespielt und festgestellt, dass ich es tatsächlich noch drauf habe. Ob die Reihe es aber auch noch drauf hat, haben wir auf der gamescom für euch herausgefunden.
Die Rückkehr eines Klassikers
Gleich vorweg: Ich bin ein riesiger Crazy Taxi Fan. Kaum ein Spiel hat mich so lange begleitet wie Crazy Taxi auf der Dreamcast. Meine Spielzeit dürfte längst im vierstelligen Bereich liegen und die an San Francisco angelehnte Arcade-Map kenne ich inzwischen praktisch auswendig. Die Mechaniken sind mir in Fleisch und Blut übergegangen und selbst nach der zehntausendsten Runde mit den immergleichen Songs bekomme ich noch immer nicht genug. Umso überraschender ist es, wie lange Sega die Reihe anschließend auf Eis gelegt hat. Nach Crazy Taxi 3 auf der Xbox wurde es abgesehen von Mobile-Ablegern lange still um die Serie.
Bis Sega schließlich die Rückkehr mehrerer seiner alten IPs ankündigte und auch Crazy Taxi darunter war. Die Freude war riesig, doch gleichzeitig blieb eine gewisse Skepsis. Die wurde nicht gerade kleiner, als Crazy Taxi: World Tour bei der diesjährigen Xbox Sommershow offiziell angekündigt wurde. Einerseits konnte ich kaum glauben, dass eines meiner fünf liebsten Spiele aller Zeiten tatsächlich zurückkehrt. Andererseits hatte das Gezeigte nur wenig mit dem Crazy Taxi gemein, das ich seit meiner Kindheit liebe.

Auf der gamescom hatte ich nun gleich zweimal die Gelegenheit, Crazy Taxi: World Tour anzuspielen und insgesamt rund 45 Minuten mit dem Titel zu verbringen. Leider hat sich dabei meine Skepsis bestätigt. Um zu erklären, woran das liegt, müssen wir uns einige der zentralen Mechaniken von Crazy Taxi ansehen und sie mit World Tour vergleichen. Bevor wir jedoch ins Detail gehen, schauen wir uns zunächst das grundlegende Spielprinzip an.
Around The World
In Crazy Taxi: World Tour reist ihr, wie der Name bereits vermuten lässt, durch die ganze Welt. Bisher stand dabei vor allem San Francisco aus dem Original im Fokus. Zur gamescom haben die Entwickler jedoch eine Deutschland-Map angekündigt, die wir vor Ort auch selbst ausprobieren konnten. Statt sich dabei an einer konkreten deutschen Stadt zu orientieren, setzt die Map auf eine Art Best of Deutschlands. Von bekannten Sehenswürdigkeiten bis hin zur allgemeinen Gestaltung waren dabei durchaus einige typische Elemente wiederzuerkennen.
Die klassische Bayern Ästhetik mit Kuhdörfern ist ebenso vertreten wie der ganz eigene Charme einer Straße mitten im Ruhrgebiet. Dazu kommt eine große Burg, eine Autobahn, Marktplätze, Plattenbauten, eine Autoausstellung und sogar der Kölner Dom. Hier hat offenbar jemand gründlich recherchiert. Crazy Taxi war außerdem schon immer für seine Sponsorings bekannt. Im Original konntet ihr beispielsweise zu KFC oder FILA fahren. Auf der Deutschland Map wollte eine Kundin stattdessen zu Kärcher. Ziemlich spezifisch, aber irgendwie auch herrlich unterhaltsam. Vom grundsätzlichen Layout her hat mir die Map gut gefallen. Warum sich das Fahren darauf trotzdem nicht so spaßig angefühlt hat, erkläre ich gleich.

Crazy Taxi Horizon
Nun aber erstmal zur Hauptaufgabe auf der Map: In World Tour gibt es verschiedene Missionen, die ihr erledigen könnt, darunter Nebenquests und Hauptquests, mit denen ihr im Level aufsteigt und die Geschichte vorantreibt. Bei den Missionen haben sich die Entwickler dabei ziemlich stark an Forza Horizon orientiert. Ihr liefert beispielsweise für einen Pizzabäcker möglichst schnell Pizzen aus, helft einem Wingsuiter dabei, von einer hohen Stelle zu springen und mit ordentlich Karacho mehrere hundert Meter weit zu fliegen, räumt die Straßen auf oder absolviert Drift-Challenges, bei denen ihr innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits möglichst viele Punkte sammeln müsst.
Hinzu kommen Weltevents, bei denen ihr beispielsweise ein Rennen gegen euch selbst antretet oder innerhalb weniger Sekunden so weit wie möglich fahren müsst. Die Missionen verfügen außerdem über zusätzliche Miniziele, etwa eine bestimmte Punktzahl zu erreichen oder am Ende noch eine gewisse Zeit auf der Uhr zu haben. Grundsätzlich gibt es an diesen Aufgaben wenig auszusetzen, wirklich mitgerissen haben sie mich allerdings auch nicht.

Begleitet werden die Missionen von kleinen Zwischensequenzen, die auf mich eher belanglos wirkten. Auch mein Fahrer, in diesem Fall die ikonische Figur Axel, kommt dabei häufig zu Wort. Allerdings wird er in World Tour nicht von seinem ursprünglichen Sprecher Bryan Burton Lewis gesprochen, obwohl erst kürzlich bekannt wurde, dass Lewis für die Rückkehr der Rolle in Sonic Racing: CrossWorlds erneut vors Mikrofon tritt.
Alles, aber nicht CRAZY
Und die Taxifahrten? Das eigentliche Herzstück der vergangenen drei Teile? In World Tour sind sie eher optional, gehören aber weiterhin zum Spiel dazu, um im Level aufzusteigen. Ihr nehmt einen Fahrgast auf, der Counter startet und schon ertönt einer der nostalgischen Tracks von The Offspring oder Bad Religion aus dem Original. Zumindest in der Demo hätte ich mir hier allerdings etwas mehr Abwechslung gewünscht. Am grundlegenden Ziel hat sich wenig geändert: schnell fahren und möglichst viele Fahrgäste ans Ziel bringen. Anders als im Original könnt ihr jedoch nicht mehr zehn oder gar 20 Gäste hintereinander befördern. Stattdessen sind maximal vier bis fünf Fahrgäste pro Session vorgesehen. Das nimmt für mich einen entscheidenden Teil des ursprünglichen Reizes heraus, denn der Ansporn, immer noch ein paar Punkte mehr herauszukitzeln und den eigenen Highscore zu knacken, geht dadurch deutlich verloren.
Aber wie fühlt sich das Fahren nun an? Nun ja … bescheiden. Und vor allem überhaupt nicht mehr nach Crazy Taxi. Das Original ist pures Arcade Gameplay: Schnelle Inputs werden unmittelbar umgesetzt, das Taxi schießt durch die Straßen und dichter Verkehr, enge Kurven sowie andere Hindernisse sorgen für die Herausforderung. In World Tour ist davon kaum noch etwas übrig.

Das Taxi in World Tour fährt sich deutlich langsamer und vor allem wesentlich weniger, aber an sich immer noch arcadig. Vieles erinnert eher an das Fahrverhalten eines gewöhnlichen Autos in anderen Arcade-Racern. Hinzu kommt, dass die klassische Gangschaltung gestrichen wurde, mit der ihr im Original zwischen Vorwärts und Rückwärtsgang wechseln konntet. In World Tour gebt ihr stattdessen mit R2 beziehungsweise RT Gas und wechselt mit L2 beziehungsweise LT in den Rückwärtsgang. Nichts daran fühlt sich wirklich „Crazy“ an.
Fans der Reihe kennen außerdem den sogenannten Limiter Cut. Wer im Original kurz vom Gas geht, in den Rückwärtsgang schaltet und innerhalb eines Sekundenbruchteils wieder in den Vorwärtsgang wechselt und Gas gibt, katapultiert das Taxi förmlich nach vorne. Der Trick lässt sich sogar mehrfach hintereinander ausführen, um extreme Geschwindigkeiten zu erreichen. In einigen Missionen des Originals wird dieses Wissen sogar ganz bewusst vorausgesetzt.
In World Tour gibt es diesen Limiter Cut hingegen nicht mehr. Stattdessen wurde der Crazy Dash eingeführt beziehungsweise deutlich vereinfacht. Ihr müsst lediglich O beziehungsweise B drücken und gleichzeitig Gas geben. Das ist wesentlich leichter auszuführen und katapultiert euch längst nicht mehr mit derselben absurden Geschwindigkeit nach vorne. Aus dem Stand ist der Crazy Dash noch immer praktisch, um schnell auf Tempo zu kommen, während der Effekt während der Fahrt deutlich geringer ausfällt. Auch das Driften war im Original anspruchsvoller und erforderte deutlich mehr Risiko. In World Tour genügt hingegen ein Druck auf X beziehungsweise A, und schon zieht das Taxi kontrolliert um die Kurve. Fairerweise hat sich das in der Demo durchaus spaßig angefühlt.

Dann gibt es noch einen Turbo sowie den Crazy Stop, mit dem ihr euer Fahrzeug praktisch sofort zum Stillstand bringen könnt. Unterm Strich spielt sich World Tour damit wie ein gewöhnlicher Arcade-Racer und verfehlt für mich ausgerechnet das, was Crazy Taxi so besonders gemacht hat. Das ist umso enttäuschender, weil mit dem Director des Originals sogar jemand an der Entwicklung beteiligt ist, der die Essenz der Reihe eigentlich bestens kennen sollte. Noch deutlicher wird das bei der eigentlichen Herausforderung. Im ersten Teil war der dichte Gegenverkehr einer eurer größten Gegner. Jedes Auto konnte euch ausbremsen und eine perfekt laufende Fahrt ruinieren. In World Tour gibt es nicht nur deutlich weniger Verkehr als im Original, die wenigen Autos werden bei einem Zusammenstoß auch einfach zur Seite geschleudert, als wären sie aus Watte. Dadurch entsteht kaum noch ein Gefühl von Risiko und das Taxifahren verliert einen großen Teil seines Reizes.
All I Want
Ob es zum Release einen klassischen Arcade Modus geben wird, wissen wir aktuell noch nicht. Genau hier stellt sich für mich allerdings die Frage, warum ich World Tour spielen sollte, wenn ich den ersten Teil jederzeit noch spielen kann. Abschließend möchte ich trotzdem betonen, dass längst nicht alles an World Tour schlecht ist. Ich kann die Vision hinter dem neuen Konzept durchaus nachvollziehen und einige der neuen Ideen haben ihren Reiz. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass dem Team auf dem Weg dorthin ausgerechnet die Essenz von Crazy Taxi abhandengekommen ist. Bis zum Release kann sich natürlich noch einiges ändern, doch Stand jetzt ist meine Skepsis nach den beiden Sessions auf der gamescom eher gewachsen. World Tour hat definitiv das Potenzial, ein spaßiges Spiel zu werden. Die entscheidende Frage ist für mich aber: Wird es auch ein gutes Crazy Taxi?
Crazy Taxi: World Tour erscheint voraussichtlich 2027 für PS5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch 2 und PC.
Artikelbilder: SEGA / Luca Pernecker


