Am vergangenen Wochenende fand in Düsseldorf bereits zum 18. Mal Deutschlands größte Anime-, Manga- und Japanmesse, die DoKomi, statt. Mit drei ausverkauften Messetagen und rund 230.000 Besucher*innen stellte die Veranstaltung erneut einen neuen Rekord auf. Das Besondere an der DoKomi ist, dass sie sich über die Jahre nicht nur zum größten Treffpunkt der deutschen Anime-, Manga- und Cosplay-Szene entwickelt hat, sondern mittlerweile weit darüber hinausreicht. Von Gaming über Musik und Kunst bis hin zu japanischer Kultur und Lifestyle vereint die Messe heute zahlreiche Bereiche der Popkultur unter einem Dach. Was die diesjährige DoKomi besonders ausgezeichnet hat, welche Neuerungen überzeugen konnten und an welchen Stellen noch Luft nach oben besteht, haben wir für euch vor Ort herausgefunden.
Die Messe begann am Freitag, dem 29. Mai, um 13 Uhr und endete am Sonntag, dem 31. Mai, um 18 Uhr. Doch wie für die meisten Besucher*innen begann die DoKomi auch für mich zunächst mit der Anreise. Dabei werden die Größe und Bedeutung der Veranstaltung bereits lange vor dem Erreichen des Messegeländes sichtbar. Schon mehr als 100 Kilometer vor Düsseldorf füllen sich die Züge mit Cosplayer*innen, die als Charaktere aus Anime, Manga und Videospielen unterwegs sind. Spätestens am Düsseldorfer Hauptbahnhof wird dann deutlich, dass an diesem Wochenende die Fans der japanischen Popkultur das Stadtbild prägen. Wer dort in Alltagskleidung Richtung Messe pilgert, gehört beinahe zur Minderheit.
In einer überfüllten U-Bahn und bei Temperaturen von rund 30 Grad ging es schließlich Richtung Messe Düsseldorf. Begleitet von Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden Cosplayer*innen, die teilweise bereits seit den frühen Morgenstunden im Nordpark und rund um den Japanischen Garten verweilten, um die Wartezeit mit Fotoshootings und Treffen mit Freunden zu überbrücken. Pünktlich um 13 Uhr öffneten sich schließlich die Tore der Messehallen und die Besucher*innen strömten auf das Gelände.

Mitten hinein ins Popkultur-Getümmel
Doch was bietet die DoKomi ihren rund 230.000 Besuchenden eigentlich? Auf insgesamt neun Hallen verteilt erstreckt sich ein buntes und vielfältiges Angebot rund um die japanische Popkultur und weit darüber hinaus. Ob Bühnenprogramm mit Unterhaltung und Informationsveranstaltungen, Cosplay-Shows, Treffen mit beliebten Synchronsprecher*innen oder die zahlreichen Artist Alleys und Händlerstände, an denen man problemlos sein gesamtes Budget loswerden kann – hier kommen nahezu alle auf ihre Kosten. Genau diese Vielfalt ist es auch, die die DoKomi von der stetig wachsenden Zahl an Anime- und Manga-Messen in Deutschland abhebt und ihr eine besondere Stellung innerhalb der Szene verleiht.
In Halle 1 der DoKomi befinden sich vor allem die großen kommerziellen Aussteller, darunter Anime- und Manga-Verlage, Figurenhändler sowie zahlreiche weitere Anbieter rund um die japanische Popkultur. Hier können sich Besucher*innen informieren, beraten lassen oder direkt die neuesten Produkte erwerben. Für mich persönlich hatte es dabei einen besonderen Reiz, einen Band einer Manga-Reihe, die ich aktuell lese und der mir noch in meiner Sammlung fehlte, direkt am Stand des entsprechenden Verlags zu kaufen. Auch erste Künstler*innen sind in dieser Halle vertreten, wenngleich ihr Anteil hier noch deutlich geringer ausfällt als in den übrigen Ausstellungsbereichen.

Das Herz der DoKomi: Die Artist Alley
Der größte Teil der Kunstschaffenden findet sich nämlich in der Artist Alley in Halle 3. Unzählige Gänge voller kleiner Stände von Kreativen aus aller Welt laden dazu ein, Prints, Anhänger, Sticker und viele weitere handgefertigte Produkte direkt bei den jeweiligen Artists zu erwerben. Beim Schlendern durch die dicht gefüllten Gänge wirkt die Halle stellenweise beinahe reizüberflutend: Links und rechts reihen sich die Werke talentierter Aussteller*innen aneinander und erschaffen ein regelrechtes Meer an Kreativität. Dabei ist die Vielfalt der angebotenen Motive und Stile so groß, dass nahezu alle Besuchenden fündig werden dürften. Ich selbst war gezielt auf der Suche nach Merchandise zu Juri, meinem Main-Charakter aus Street Fighter, und wurde nach einigen Runden durch die Halle schließlich tatsächlich fündig – in Form eines passenden Schlüsselanhängers, der mich jetzt tagtäglich begleitet.

Im Gespräch mit den Künstler*innen wird schnell deutlich, mit wie viel Leidenschaft sie ihre Werke erschaffen. Entsprechend groß ist die Freude, wenn die Abertausenden Menschen in der Artist Alley Interesse an ihrer Kunst zeigen. Dabei nehmen sich die meisten gerne Zeit für Fragen, geben Einblicke in ihre Arbeit und beraten nach bestem Wissen und Gewissen. Ganz gleich, ob man nach Motiven aus Anime, Manga, Videospielen oder anderen Franchises sucht: Die Artist Alley bietet eine beeindruckende Vielfalt. Für mich persönlich ist sie deshalb das absolute Highlight und ein absolutes Muss bei jedem Besuch der DoKomi.

Mode-Träume und andere Fantasien
Direkt angrenzend befindet sich in Halle 4 die Fashion- und Crafting-Area. Hier wird Kreativität zu tragbarer Kunst. Von kleinen Ketten und Accessoires bis hin zu aufwendig gefertigten Kleidern und Outfits finden Modebegeisterte alles, was das Herz begehrt. Vertreten sind dabei zahlreiche Stilrichtungen – von der japanischen Jirai-Kei-Fashion bis hin zu alternativen Szenen wie Goth oder Lolita. Wer auf der Suche nach einem neuen Outfit oder besonderen Accessoires ist, kann auch hier problemlos sein Portemonnaie nach Herzenslust erleichtern.

In Halle 5 kann man dann wortwörtlich auf nackte Tatsachen treffen. Die sogenannte Seijin-Area – 成人 bedeutet auf Japanisch so viel wie „Erwachsener“ – ist ausschließlich für volljährige Besucher*innen zugänglich. Zutritt erhält nur, wer nach Vorlage eines gültigen Ausweisdokuments ein entsprechendes Altersbändchen erhalten hat. Neben einigen Herstellern alkoholischer Getränke finden sich hier zahlreiche Artists, die wie in der Artist Alley Prints, Artbooks und weitere kreative Werke anbieten. Der wesentliche Unterschied liegt dabei in den Motiven: Viele der ausgestellten und verkauften Arbeiten richten sich an ein erwachsenes Publikum und greifen freizügige oder erotische Themen auf. Darüber hinaus sind auch verschiedene Cosplayer*innen und Models vor Ort anzutreffen. Wer nun glaubt, es handele sich dabei um einen kleinen Nischenbereich, irrt jedoch. Die Schlange für die Ausgabe der Altersbändchen war während der Messe durchgehend bemerkenswert lang und zeigte, wie groß das Interesse an diesem Bereich tatsächlich ist.
Zwischen Pixeln, Nostalgie und Idolen
Für unser Medium besonders interessant war jedoch Halle 9. Denn japanische Popkultur besteht längst nicht nur aus Anime und Manga. Das Land der aufgehenden Sonne hat die Geschichte der Videospiele geprägt wie kaum ein anderes und zählt bis heute zu den einflussreichsten Nationen der Branche. Entsprechend beheimatet Halle 9 neben der Trading-Card-Game-Area, in der Karten getauscht, gekauft und gespielt werden können, auch den Gaming-Bereich der DoKomi. Dort war unter anderem erneut Nintendo vertreten und präsentierte die Switch 2 sowie verschiedene aktuelle Titel, um die neue Hybridkonsole einem breiten Publikum näherzubringen. Darüber hinaus konnte auch das neue Mobile-Spiel Pictonico! ausprobiert werden, das in seinem Spielprinzip durchaus Erinnerungen an die WarioWare-Reihe weckt und auf der Messe zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten sollte.

Einige Händler*innen boten zudem gebrauchte Videospiele an, während das Flipper- und Arcademuseum Seligenstadt einen Blick in die Vergangenheit ermöglichte und verschiedene Retro-Konsolen zum Anspielen präsentierte. Mein persönliches Highlight waren mehrere Candy-Cabinet-Arcademaschinen – in diesem Fall Sega Blast City –, die mit unterschiedlichen Spielen frei spielbar waren. Mein Herz schlug dabei spürbar höher und der Traum einer eigenen Arcade-Maschine für zu Hause hat sich in diesem Moment noch einmal deutlich verfestigt.

In Halle 10 gab es außerdem die Creator-Tables, an denen Besucher*innen verschiedene Influencer*innen, Cosplayer*innen und V-Tuber treffen konnten, ebenso wie bekannte Synchronsprecher*innen aus der Animewelt. So war unter anderem Tobias Müller, der deutsche Sprecher von „Detektiv Conan“, vor Ort, ebenso wie Daniel Schlauch, der unter anderem Monkey D. Ruffy in „One Piece“ seine Stimme leiht. Den Fans in der Schlange war deutlich anzumerken, wie sehr sie sich auf die Begegnung mit ihren Idolen freuten. Gleichzeitig konnte man auch den Synchronsprecher*innen selbst anmerken, wie viel Spaß sie an der Veranstaltung und dem direkten Kontakt mit den Fans hatten. Insgesamt ist die Wahrnehmung deutscher Synchronschauspieler*innen in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.
Die übrigen Hallen boten unter anderem verschiedene Bühnen, ein Maid-Café sowie einen Parcours und weitere interaktive Angebote. Hinzu kam das große Gastronomieangebot auf dem Boulevard der Messe, das von klassischen Gerichten wie Pommes-Currywurst bis hin zu japanischen Spezialitäten reichte. Dazu zählten unter anderem Ramen, Onigiri sowie japanische Sandwiches, die für viele eine willkommene kulinarische Abwechslung darstellten.
Organisatorisch alles im Griff?
Unterhalten lassen kann man sich auf der DoKomi also auf vielfältige Weise. Wie bereits deutlich wird, sollte man dabei keinesfalls unterschätzen, welche Position die Messe als großes Get-together der Szene hat. Spontane Mob-Flashes, Fantreffen einzelner Communities – etwa aus dem Resident-Evil-Cosplay-Umfeld – und ähnliche Aktionen gehören längst zum Alltag der Veranstaltung. Die gute Laune ist dabei überall spürbar und prägt die Atmosphäre über das gesamte Messegelände hinweg.

Doch wie sieht es organisatorisch aus? Immerhin gab es in den vergangenen Jahren – wie bei vielen Messen dieser Größe – immer wieder Kritik an der Organisation, etwa beim Umgang mit den vielen Menschen, der Aufteilung der Hallen, dem Einlass oder der Anreise.
Besonders am Freitag galt wortwörtlich dicke Luft. Bei Spitzentemperaturen von rund 32 Grad kämpfte die Klimaanlage der Messe Düsseldorf gegen die Hitze und die vielen Besuchenden an. Während einige Hallen bis zum Ende gut klimatisiert waren, stellten andere Bereiche bereits zu Beginn eine Herausforderung dar. Auch für den Kreislauf vieler Gäste war die Situation nicht ideal. Zwar gab es Trinkwasserspender, aus meiner Sicht hätten diese jedoch besser verteilt und deutlicher ausgeschildert werden müssen. Zudem waren nur wenige Rückzugs- oder Schattenbereiche vorhanden. Der Schatten der hohen Messehallen blieb daher für viele der angenehmste Ort während der heißen Stunden.

Der Samstag wirkte hingegen deutlich angenehmer. Auch wenn es genauso voll war, erschien die Atmosphäre insgesamt entspannter. Die Klimaanlagen der Hallen konnten deutlich besser arbeiten, und obwohl es stellenweise – etwa in der Artist Alley – sehr voll war, ließ sich das langsame Durchschlendern der Hallen gut aushalten. Am Sonntag sanken die Temperaturen nochmals, allerdings begleitet von Regen.
Erfolg auf voller Fläche
Generell war es extrem voll und einige Hallen wirkten auf mich sogar voller als so manche Gamescom-Halle, obwohl diese deutlich größer ist. Für die kommenden Jahre könnte die DoKomi daher überlegen, eine zusätzliche Halle auf dem Messegelände anzumieten, um die Menschenströme besser zu entzerren. Auch der Heimweg kann mitunter abenteuerlich sein, obwohl die Rheinbahn mit einem sehr dichten Takt – gefühlt alle zwei, eher drei Minuten – ihr Möglichstes tut. Das liegt vor allem an der Entfernung zur Innenstadt. Andere Messegelände profitieren hier oft von einer zentraleren Lage.
So oder so lässt sich auch diese DoKomi als Erfolg für den Veranstalter AkibaDreams, aber ebenso für die Fans, Besucher*innen sowie die Community insgesamt bewerten. Die Stimmung wurde selbst durch die sengende Hitze kaum getrübt. Vielmehr war die Atmosphäre durchgehend positiv und es wurde deutlich, wie sehr die Community von Jahr zu Jahr wächst. In Kombination mit der Tatsache, dass für Fans von Anime, Manga, Cosplay und Videospielen gleichermaßen ein breites Angebot vorhanden ist, bleibt die DoKomi für Japan-Interessierte ein absoluter No-Brainer. Die nächste DoKomi findet vom 09. bis zum 11. Juli erneut in Düsseldorf statt.
Artikelbilder: Luca Pernecker / Eileen Müller


