Hype-Stimmung bei Xbox – Alles neu, alles gut?

In Redmond weht ein frischer Wind. Sicher nicht in jeder Abteilung von Microsoft, aber zumindest bei Xbox. Seit einigen Monaten ist die ehemalige KI-Chefin des Unternehmens zu Xbox gewechselt, nachdem Phil Spencer seinen Rücktritt verkündet hat. Allein das sorgte in dem Moment für Unruhe, Skepsis und für Untergangsstimmung. Jetzt, einige Zeit danach, herrscht aber plötzlich große Euphorie. Ist Xbox wieder zurück? 

Die Chronik der Veränderungen

Zugegeben, für eine vernünftige Analyse der Arbeit von Asha Sharma ist es noch viel zu früh. Gerade in solchen Konzernstrukturen brauchen Entscheidungen lange, bis sie wirken können. Viel mehr lässt mich die plötzliche Aufbruchstimmung und Euphorie etwas überrascht zurück. Asha Sharma ist kaum im Amt und dennoch werden die jüngsten Entscheidungen regelrecht gefeiert. Daher möchte ich mir im ersten Schritt anschauen: Was ist seither eigentlich passiert? 

Microsoft Gaming wird zu Xbox 

Vor einigen Jahren wurde Xbox zu Microsoft Gaming. Denn Gaming sollte ausgeweitet werden und nicht nur auf das Konsolengeschäft projiziert werden, wofür eben Xbox eher stand. Nun kündigte Asha Sharma an, dies aber wieder zu revidieren. Microsoft Gaming ist Geschichte und nun heißt die Gaming-Sparte wieder: Xbox. Denn Sharma möchte die Marke wieder in den Vordergrund rücken und damit stärken. Xbox soll wieder präsenter werden. So idyllisch das klingt, aber zumindest das entpuppte sich schnell als nette Marketingfloskel Denn wie sich herausstellte, war das schon vor Jahren der Plan. Microsoft Gaming sollte lediglich temporär existieren. Das liegt an der Übernahme von Activision Blizzard King. Der Kampf gegen das FTC war einer, der medial sehr stark verfolgt wurde. Und um jegliche monopolistischen Bestrebungen klein zuhalten und den Eindruck zu erwecken, das Gaming-Business für alle zugänglicher zu machen und zu erweitern, gründe man Microsoft Gaming. Aber das sollte wohl nur so lange bestehen, bis die Übernahme vollständig abgeschlossen ist und alle Prozesse abgewickelt sind. Das ist mittlerweile passiert. Die Namensänderung als neue Idee der Rückbesinnung zu verkaufen, klingt zwar süß, ist allerdings ein reiner Business-Move gewesen, um Activision einzuverleiben. 

Neues Logo 

Xbox hat ein neues Logo. Das sieht zwar sehr anders aus, als seit der Xbox 360-Ära, aber Viele fühlen sich damit an die erste Xbox erinnert, auch wegen des sehr prägnanten Grün-Tons. Auch wieder mit der Intention: Back to the Roots! Für uns bedeutet das konkret, dass wir beim Start der Konsole eben jenes neue Logo sehen. Ich würde gerne mehr dazu sagen, aber das ist halt die Neuerung. 

Der Game Pass Ultimate wird günstiger 

So, hier wird es spannender. Microsoft hatte ja den Preis des Game Pass Ultimate um ca. 50% angehoben. Das kam nicht ganz so gut an. Hinzu kommt, wie wir aus den letzten Finanzberichten entnehmen können. Dass die Einnahmen aus eben diesem Bereich seitdem sinken. Wer hätte das gedacht. Nun kam aber die Erlösung: Der Game Pass Ultimate wird wieder günstiger! Allerdings nicht so wie zuvor, sondern er landet bei 20,99€. Das ist schon mal deutlich besser, aber effektiv macht es trotzdem eine Preissteigerung von knapp 17% im Vergleich zum Preis von vor einem Jahr. Das heißt: Innerhalb eines Jahres wurde der Game Pass Ultimate um knapp 17% teurer, aber die Leute sind außer Rand und Band vor Freude. Wenn sich das auch als langfristig geplant herausstellt, dann ziehe ich meine Cap vor Microsoft. Well played. Tatsächlich glaube ich aber, dass es eine Reaktion auf die schwächelnden Zahlen seitdem ist Die Preissenkung kommt auch nicht ganz ohne einen Kompromiss aus, denn Call of Duty wird ab Release nicht im Game Pass landen, sondern immer erst ein Jahr später. Das mag für manche ein unschöner Umstand sein, wiederum anderen wird es wohl kaum egaler sein. 

Kein Copilot für Xbox mehr 

Eine News, die mich sehr überrascht hat. Copilot ist die KI-Assistenz von Microsoft. Und Microsoft investiert massig in KI und somit auch in Copilot. Daher war der Plan eben jenen auch auszuweiten. Die bittere Pille ist allerdings: Die Umsätze damit sind laut eigenen Angaben enttäuschend. Das Interesse in Copilot ist geringer, als es sich Microsoft versprochen hat. Drum zieht man nun da den Stecker und entwickelt Copilot nun nicht mehr für die Xbox-Konsole.Wohl auch, weil die Gaming-Community der KI-Entwicklung recht wenig euphorisch gestimmt ist. Und ich muss auch sagen: Ja, das freut mich auch tatsächlich! Weil der Einsatzbereich von Copilot wäre wieder durchaus wenig revolutionär. Wenn man dran denkt, wie sehr Microsoft uns damals Bing aufs Auge drücken wollte, habe ich schon vorzeitige Magenschmerzen bekommen, wenn ich mir das Gleiche nun für Copilot auf der Konsole vorgestellt hätte.  

Danke, Asha Sharma! Oder Moment mal. War das denn überhaupt ihre Entscheidung? Microsoft hat zeitgleich angekündigt generell Copilot weniger offensiv in ihre System, wie etwa Windows 11, zu verpflanzen. Es scheint eine Entscheidung für den gesamten Konzern zu sein. Das hat natürlich nicht Asha Sharma zu entscheiden. Aber es wirkt, als hätte die Copilot-Entscheidung eher Microsoft-CEO Satya Nadella gefällt. Aber nicht, weil er uns was Gutes tun will. Keine Sorge. Sondern, weil die Zahlen nicht stimmen. Also, danke Konsumenten, dass ihr mit eurem Kaufverhalten die massive Expansion von Copilot unterbunden habt.  

Asha Sharma kündigt nächste Xbox-Konsole an 

Asha Sharma hat die nächste Xbox-Konsole angekündigt. Also zumindest den Namen. Also nicht den Endgültigen, aber wie der Projektname heißt. Es nennt sich Projekt Helix und im Prinzip hat sie all die Dinge nochmal präsentiert, die wir im Vorfeld wussten, sprich: Kooperation mit AMD, Raytracing, High End, technisch stark und dass sie eine offene Plattform ist, auf der auch PC-Stores abrufbar sein werden, weil sie ein PC im Konsolen-Gewand ist. Da das alles im Vorfeld bereits bekannt war, reduziere ich mal ihre Errungenschaft darauf, dass sie den Projektnamen bekannt gegeben hat. 

Xbox heißt jetzt XBOX 

Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Aber Asha Sharma hat eine  Umfrage durchgeführt, in Bezug auf den Namen der Gaming-Marke. Heraus kam, dass Xbox künftig immer in Großbuchstaben geschrieben wird. Okay.  

Xbox überdenkt Exklusivstrategie 

Kommen wir zum einzig interessanten Teil, der die Zukunft von XBOX maßgeblich beeinflusst. Man überlegt, ob XBOX wieder zur Spieleexklusivität zurückkehrt. Das ist alles, was wir wissen und der Rest ist Spekulation. Aber ich liebe Spekulationen. Es eröffnet gleich drei Szenarien, wie eine solche Zukunft aussehen könnte. Skizzieren wir diese mal nach und nach durch, von seicht zu rigoros. 

Möglichkeit 1 wäre, dass Spiele immer zeitexklusiv auf der XBOX erscheinen und erst irgendwann für Playstation. Womöglich könnte man ausgewählte XBOX-Titel sogar komplett zurückhalten. In etwa so, wie es Sony mit Singleplayer –und Multiplayertiteln in Zukunft handhaben wird. Sprich: Singleplayer Games werden exklusiv und Multiplayer erscheinen für alle. 

Eine andere Variante wäre, dass XBOX die Playstation komplett ignoriert und sich nur auf Konsole und PC fokussiert. Das kann zumindest deren Kunden bewegen. Allerdings würde es PC Gamer weiterhin nicht von der Plattform wegbewegen. Andererseits gäbe es dadurch weiterhin die Vorteile, wie Smart Delivery und die Cross Saves. Es wäre insgesamt ein Move in Richtung späte 2010er Jahre, als man sich dem PC Markt öffnete, aber noch nicht gegenüber Playstation. 

Der radikalste Schritt wäre der Nintendo-Weg. Pure Exklusivität. Wenn du das neue Forza Horizon willst, dann kauf dir eine XBOX. Das wäre ein massiver Bruch mit der Strategie der letzten Jahre. Gewagt wäre es ebenfalls, aber mit den richtigen Argumenten und Preisen kann das theoretisch aufgehen. 

Abwarten

Ich denke, da immer großer Umsatzdruck für den nächsten Quartalsbericht herrscht, wird man sich nicht trauen zu radikal zu sein. Ich kann mir den Playstation-Weg als realistische Variante vorstellen. Würde das helfen? Wahrscheinlich nicht genug. XBOX muss sich drastischer hervorheben. Dazu reichen keine minimalistischen Anpassungen. Ein wesentlicher Kurswechsel müsste her. Die Frage ist, ob der Mut dazu da ist. Der Mut, auch man durch ein paar bittere Jahre zu gehen, um langfristig erfolgreicher zu sein. 

Aber blicken wir auf die XBOX-Thematik, dann haben wir auf der Haben-Seite gar nicht so viel. XBOX heißt XBOX und nicht mehr Xbox. Das Logo ist grüner und der Marketing-Slogan wurde zu “We are Xbox” gewechselt. Nichts, wovon ich gerade irgendwas habe. Es ist eben auch nur Marketing. Der Game Pass Ultimate ist nach wie vor zu teuer, genau wie die Hardware. Die Exklusivität bleibt das große Spekulationsobjekt im Raum. Ich bin ein Freund davon, die Euphorie auch dann erst auszulassen, wenn sie angebracht ist. Doch das Ändern von Marketing-Instrumenten ist für mich kein Punkt. Und ob die Änderungen kommen, die es bräuchte, das wissen wir noch gar nicht. Lasst uns daher erstmal abwarten. Was man aber zumindest zunächst als interessant bezeichnen kann, ist, dass sich bei XBOX etwas tut. Was daraus wird, wissen wir noch nicht. Aber dass sich etwas ändern muss, sollte nach den jüngsten Finanzberichten auch klar sein. Hoffen wir, dass im Sinne der Konsumenten entschieden wird. 

Hoffnung macht da die neue „Player Voice“-Plattform, auf der die Community Wünsche zur XBOX-Zukunft äußern kann. Etwas Ähnliches gab es bereits nach dem Don Mattrick-Debakel, um wieder näher an den Usern zu sein. Damals hat es geholfen. Hoffentlich auch dieses Mal. Das ist für mich sogar die wichtigste, vielleicht sogar die einzig wichtige Veränderung: Auf die User zu hören!

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