Lara Croft ist zurück! Und diesmal geht es zurück zu ihren Wurzeln. Tomb Raider: Legacy of Atlantis ist eine Neuinterpretation des allerersten Tomb Raider aus dem Jahr 1996. Damals begab sich Lara Croft auf die Suche nach den Relikten des Scion, einem mächtigen antiken Artefakt, und bereiste dafür unter anderem Peru, Griechenland und Ägypten. Auf der gamescom durfte ich mir gemeinsam mit einem Entwickler von Flying Wild Hog in einer Hands-off-Präsentation einen Teil von Legacy of Atlantis anschauen und dabei einen genaueren Blick darauf werfen, wie das Studio gemeinsam mit Crystal Dynamics aus Laras erstem Abenteuer ein modernes Tomb Raider machen will.
Back to the Roots
Gleich vorweg: Die wohl auffälligste Veränderung betrifft Lara selbst. Während die Survivor-Trilogie ihre Bewegungen deutlich bodenständiger und realistischer inszeniert hat, ist Lara in Legacy of Atlantis wieder wesentlich agiler. Sie springt, dreht sich und flippt regelrecht durch die Gegend und fühlt sich damit deutlich stärker nach der klassischen Lara an. Gleichzeitig ist sie inzwischen wesentlich selbstbewusster. Ihre Sprüche wirken teilweise fast schon ein bisschen zu „cool“ und können durchaus an der Grenze zu „zu gut gemeint“ kratzen, passen aber zu einer Lara, die ihre Entwicklung aus der Survivor-Trilogie hinter sich gelassen hat. Genau diesen Ansatz verfolgen die Entwickler auch: Legacy of Atlantis soll dieselbe Lara zeigen, die wir aus der Survivor-Trilogie kennen, nur nach vielen weiteren Abenteuern und mit deutlich mehr auf dem Kerbholz.

Das Beste aus drei Jahrzehnten
Dabei will das Spiel offenbar nicht einfach das Original von 1996 oder das 2007 erschienene Tomb Raider: Anniversary erneut nachbauen. Die Entwickler haben sich laut eigener Aussage beide Spiele genau angesehen und versucht, aus beiden das Beste mitzunehmen. Anniversary modernisierte bereits vor fast 20 Jahren die Geschichte und Level des Originals, während Legacy of Atlantis nun noch einen Schritt weitergeht und Elemente aus drei Jahrzehnten Tomb Raider miteinander verbindet. Das zeigt sich beispielsweise beim neuen Greifhaken, mit dem Lara sich nicht nur an bestimmte Punkte ziehen, sondern auch Gegenstände manipulieren oder Türen öffnen kann. Auch eine optionale Scan-Funktion erinnert zum Beispiel an die Metroid Prime-Reihe und liefert zusätzliche Informationen, Erklärungen oder Hinweise für diejenigen, die sie benötigen. Wer Rätsel lieber ganz ohne Hinweise löst und seinen Grips herausfordern möchte, kann vollständig darauf verzichten.
Auch beim Kampf soll Legacy of Atlantis deutlich moderner werden. Neben den ikonischen Doppelpistolen, die natürlich nicht fehlen dürfen, bekommt Lara mit dem Fokusmodus eine Bullet-Time-Mechanik, mit der sich die Zeit kurzzeitig verlangsamen lässt. In der gezeigten Passage musste sie sich unter anderem mit Jaguaren und Fledermäusen herumschlagen, während Quick-Time-Events für zusätzliche spektakuläre Momente sorgten.

Dazu kommt ein Skilltree, über den sich Laras Fähigkeiten verbessern lassen. Eine der gezeigten Optionen sorgte beispielsweise für präziseres Zielen auf größere Entfernungen. Das Ganze wirkt damit wesentlich stärker nach einem modernen Action-Adventure als das 1996 noch deutlich simplere Kampfsystem des Originals.
Noch nicht alles überzeugt
Bei den Rätseln bin ich dagegen noch unschlüssig. In der gezeigten Passage gab es unter anderem eine Tür, die über zwei Schalter auf der linken und rechten Seite geöffnet werden musste. Das funktionierte zwar problemlos, wirkte auf mich im ersten Moment aber noch ziemlich generisch. Gerade das Rätseldesign wird für Legacy of Atlantis allerdings eine wichtige Rolle spielen, schließlich waren die alten Tomb Raider-Spiele nie nur reine Action-Adventures. Die Entwickler haben bereits angekündigt, dass ganze Bereiche erweitert und teilweise neu miteinander verbunden werden, sodass aus einzelnen Levelabschnitten größere, zusammenhängende Umgebungen entstehen. Es bleibt also zu hoffen, dass auch die Rätsel im weiteren Spielverlauf noch etwas herausfordernder werden.

Auch abseits der eigentlichen Geschichte soll sich das Erkunden lohnen. In den Level lassen sich Collectibles finden, mit denen unter anderem neue und altbekannte Outfits sowie weitere Unlockables freigeschaltet werden. Visuell macht Legacy of Atlantis dabei bereits einen ziemlich starken Eindruck. Die antiken Ruinen wirken deutlich detaillierter, gleichzeitig bemühen sich die Entwickler sichtbar darum, die bekannten Orte nicht einfach in beliebige moderne Actionspiel-Arenen zu verwandeln. Stattdessen sollen sie sich wie echte, zusammenhängende Orte anfühlen. Die gezeigte Demo endete schließlich mit dem Blick auf eine eindrucksvolle Stadt in den Bergen. Ein Moment, der zumindest optisch ziemlich deutlich machte, was die Entwickler mit dieser Neuinterpretation erreichen wollen.
Die Rückkehr der klassischen Lara?
Nach dem Hands-off bin ich durchaus gespannt auf Legacy of Atlantis. Das Konzept, das Original und Anniversary als Grundlage zu nehmen und gleichzeitig moderne Elemente aus den späteren Tomb Raider-Spielen einzubauen, könnte genau der richtige Weg sein, um Laras erstes Abenteuer für eine neue Generation zugänglich zu machen, ohne die klassische Lara komplett zu verlieren. Ob das aufgeht, wird letztlich vor allem davon abhängen, wie gut die neuen Mechaniken mit der ursprünglichen Erkundungs- und Rätselphilosophie zusammenspielen. Mein erster Eindruck ist jedenfalls deutlich positiver als bei einem simplen Remake: Legacy of Atlantis möchte nicht einfach nur zurückblicken, sondern herausfinden, was aus dem ersten Tomb Raider werden könnte, wenn man es mit 30 Jahren zusätzlicher Erfahrung neu denkt.
Tomb Raider: Legacy of Atlantis erscheint am 12. Februar 2027 für PS5, Xbox Series X|S, PC und Nintendo Switch 2.


