Andersspiel: Kind Words

Über das Gute im Menschen

Es lässt sich nicht abstreiten: Der Mensch ist ein soziales Wesen und jede*r von uns braucht hin und wieder ein bisschen Optimismus und positive Zuwendung von anderen, gerade in schwierigen Zeiten wie diesen. Auf diesem simplen Prinzip baut das Spiel Kind Words auf und bietet eine Plattform für echte Menschen und deren echte Probleme aber auch für echte Empathie.

Und der Titel verspricht genau das, was man im Spiel tut: es dreht sich alles um das Versenden oder Empfangen anonymer Nachrichten, die hilfreich, aufmunternd oder auch verständnisvoll sein können.
Gerade in Zeiten einer globalen Pandemie spielt das Internet als Kontaktmedium eine wichtige Rolle, vor allem für diejenigen, die bereits psychische Probleme haben, sich allein fühlen oder sich generell in der Situation befinden, keine Person zu haben, an die Sie sich wenden können. Auf öffentlichen Plattformen ist dies oftmals durch negative und toxische Reaktionen nur eingeschränkt möglich und so kann Kind Words dazu beitragen, einen sicheren Raum zu bieten, in dem sich Leute austauschen können.
Dementsprechend finden sich auch die verschiedensten Themen, die Menschen bewegen, im Spiel wieder. Auf meiner Reise entdecke ich liebevolle Worte, die mit Papierflugzeugen durchs Bild fliegen und mir mitteilen, dass jemand mir wünscht, dass alle meine Wünsche in Erfüllung gehen, oder mich daran erinnert, dass ich etwas wert bin und alles Gute verdiene, was mir das Leben bietet.

In den Briefstapeln, die Nachrichten anderer Spieler*innen darstellen und von meinem freundlichen Helfer dem Hirsch überbracht werden, kann ich zufällig ausgewählte Notizen lesen und diese beantworten; oder ich kann selbst Briefe schreiben, die dann bei anderen Nutzer*innen erscheinen und auf die dann – hoffentlich – geantwortet wird.
In Kind Words geht das alle gemächlich vonstatten. Ruhige Lo Fi-Musik, die man bei Bedarf am Radio wechseln kann, beruhigende Farbgebung mit vielen Rottönen und der Hauptcharakter, der in seinem kleinen Raum am Schreibtisch sitzt, entspannen und lassen mich auf meine Briefe fokussieren.

Kind Words

Einige von ihnen sprechen von traumatischen Erfahrungen, andere Fragen nach Tipps für Spiele oder Animeserien, manche wollen auch nur mal etwas loswerden, ohne dafür Antworten zu erwarten. Die Auswahl ist groß und ich kann mich entscheiden, wem ich schreibe. Zwar gibt es kein Zeitlimit, aber die Länge der Nachrichten ist stark begrenzt: 5 Zeilen für eine eigene Notiz, 15 Zeilen als Antwort auf die Nachricht einer anderen Person. Viel Platz bleibt mir also nicht, um meine Gedanken niederzuschreiben, und oftmals wünschte ich mir, ich könnte ausführlicher werden. Manche Aussagen scheinen ob dieser Limitation zu oberflächlich zu klingen, aber letztendlich sollen sie genau das zum Vorschein bringen, was man selbst im Alltag oftmals vermisst: Positivität und das Wissen, dass jemand da ist.

Und gerade deswegen mache ich mir mehr Gedanken über den Inhalt meiner Aussage, ohne zu schwadronieren, sondern meine Nachricht pointiert zu verfassen. Mit dieser Einstellung lässt sich vermutlich auch der Kern des Spiels erfassen, in dem es nicht darum geht, Freundschaften fürs Leben zu schmieden. Durch die vollständige Anonymität aller Spieler*innen und das Fehlen weiterer Antwort- oder Kontaktmöglichkeiten über die eigenen Briefe hinaus bleibt einem nur das gute Gefühl, der Person am anderen Ende ein Stückchen Optimismus gesendet zu haben. Das Einzige, was man als Reaktion und Dank für gesendete Nachrichten erhält oder senden kann, sind süße, kleine Sticker, die im eigenen Stickeralbum erscheinen und auch als Dekor des eigenen Zimmers dienen.

Toxische oder negative Kommentare und auch Informationen, die zur eindeutigen Identifikation von Personen führen, sind nicht erlaubt und werden von den Entwicklern geahndet, genauso wie Hinweise auf ernstzunehmende Situationen bspw. in Bezug auf Selbstverletzungen. Dabei wird auch die Community aufgerufen, Nachrichten solcher Art zu melden – bisher mir gutem Erfolg, wie es scheint. Kind Words schafft einen “safe space”, in dem sich niemand ausgeliefert fühlen muss.
Zugegeben, nicht alle Antworten, die ich auf meinen Brief bekam, waren hilfreich oder zeugten von Verständnis des eigentlichen Problems, aber allesamt waren positiv und versuchten, mich bestmöglich zu unterstützen.

Kind Words

Kind Words des Entwicklerstudios Popcannibal ist sicherlich nicht für jede*n etwas, da es im Grunde nur darum geht, anderen ein paar nette Worte zu schicken oder sie selbst zu empfangen und das bisher größtenteils vor allem auf Englisch, da das Spiel keine anderen Sprachen unterstützt und auch keine sprachspezifischen Filter anbietet. Klar ist auch, dass in dem Spiel keine globalen oder tiefgehenden Probleme gelöst werden, aber es ist nur menschlich, dass es einem schlecht gehen kann und man sich Dinge von der Seele schreiben muss. Selbst wenn das an Fremde im Internet ist. Und manchmal helfen dabei schon ein paar nette Worte, um sich nicht ganz so allein zu fühlen.
Wer also ein paar Minuten seiner*ihrer Zeit entbehren kann oder dem eigenen Herzen etwas Luft machen will, dem kann ich Kind Words wärmstens empfehlen.

Falls ihr Hilfe sucht

Manchmal helfen gut gemeinte Worte jedoch nicht. In diesem Fall wendet euch bitte an eine Person eures Vertrauens, an telefonische Angebote wie die Telefonseelsorge, an eure Krankenkassen für therapeutische Hilfen oder andere Hilfsdienste in eurem Bundesland. Informationen findet ihr dazu u.a. auch auf der Webseite der BZGA. (Informationen für DE)

Christina Wendt
Redakteurin

Gib deinen Senf dazu

Bitte gebe deinen Kommentar ein!
Bitte gebe hier deinen Namen ein