Bereits mit den beiden Vorgängern Life is Feudal: Your Own und Life is Feudal: Forest Village entwickelte Bitbox Survival-Simulationen zum Leben im Mittelalter und legt nun mit seinem neuesten Sandbox-MMORPG groß nach – größere Schlachten, größere Maps, größerer Spaß?

Welcome to the New World

Wie wir es nicht anders kennen, geht es im Mittelalter des Jahres 1031 erstmal um eins: Überleben. Ohne Kleidung und Rüstung, ohne Waffen oder Werkzeug und ohne Plan findet man sich auf der riesigen, 21×21 km großen Welt (49 Kacheln) wieder und rennt los in der Hoffnung weder feindlichen Tieren noch feindlicheren Menschen zu begegnen. Das Ziel ist es, sich an einen sicheren Ort durchzuschlagen und dort eine Siedlung und ein Leben aufzubauen. Dies kann man entweder allein (nicht so sinnvoll) oder in einer Gruppe (schon eher sinnvoll), die dann zu Gilden heran- und in Allianzen zusammenwachsen. Um seine Wertgegenstände vor vorbeiziehenden Plünderern zu schützen, die oft schon besser ausgerüstet sind und mehr Skill haben, baut man ein Monument, das das das eigene Areal absteckt – falls es niemanden in der Nähe gibt, der etwas dagegen hat. Und das ist teuer. Dort ist es nicht zur Gilde gehörenden Menschen nicht möglich, etwas zu verwenden oder zu zerstören – außer in der Judgement Hour, der Stunde der Abrechnung, in der jeder und alles vogelfrei ist: Deswegen schnell eine Mauer gebaut. Zusätzlich ist alles außerhalb des „Claims“ Gebaute den Witterungen ausgesetzt und existiert nicht lange, wenn es nicht ständig repariert wird.
Und so fängt das mittelalterliche Leben an…

Grinden, Grinden und noch mehr Grinden

Eure Profession findet ihr im Laufe des Spiels und in Absprache mit anderen. Die ersten Stunden, Tage, Wochen werdet ihr eh (je nach investierter Spielzeit) Grinden, Grinden und noch mehr Grinden, denn dieses ist der Hauptbestandteil, bevor es dann vor allem in den PvP-Modus übergeht und ihr sinnvoll zur Gemeinschaft beitragen könnt.
Wie in klassischen Sandbox-MMOs üblich, hat man auch in Life is Feudal ein hohes Maß an Freiheit und Entscheidungsgewalt über das eigene Schicksal und die Spielweise. Nach der Newbie-Insel aka Tutorial kann man zwischen verschiedenen Maps auswählen, die unterteilt sind in „normales“ Spielsetting und RolePlaying, wobei man auf der Letzteren nur halb so schnell levelt. Und das ist extrem anstrengend, da man schon auf den „normalen“ Maps extrem langsam in den Skills aufsteigt. Bei einem Aufstieg zwischen 0,00001 – 0,5 je nach Tätigkeit kann das schnell etwas eintönig werden. Durch die Ausdaueranzeige und dem Verbot kombinierter Mods, ist man größtenteils auf das gute, alte Selbst-Handanlegen angewiesen. Boosts bekommt man durch qualitativ hochwertiges Essen (Skill: Kochen), das gerade am Anfang noch Mangelware ist und man sich im besten Fall an Nüssen und Äpfeln laben kann, wenn man Glück hat. Es macht also Sinn, sich von Anfang an Gedanken über den ungefähren Weg zu machen. Zwar kann man vergebene Fertigkeits- und Attributspunkte auch wieder rückgängig machen, was vor allem beim Aufbau einer Stadt hilft, wo jeder gebraucht wird, jedoch ist das ein großes Zeitinvestment. Je weiter sich eine Gemeinschaft entwickelt, desto wichtiger wird die Zusammenarbeit und die gegenseitige Rücksichtnahme, was nicht komplett konfliktlos vonstatten gehen wird. Und irgendwann, ziemlich schnell, läuft es zwangsläufig auf Krieg hinaus, wir sind schließlich im feudalen Mittelalter und haben Ansprüche: bis zu 1000 Menschen können auf einer speziellen Map in den Kampf auf Leben und Tod ziehen, aus dem nur eine Gruppe als Sieger hervorgehen kann. Dies kann aufgrund der freien Beweglichkeit aller auch schnell sehr unübersichtlich werden kann.

Early Access mit ganz viel Luft nach oben

Bitbox erfindet das Rad nicht neu, siehe Banished oder Valnir Rok, aber es macht vieles richtig. Grafisch gesehen macht das Spiel keine großen Sprünge, ist aber durchaus sehenswert und läuft je nach Rechner und Einstellungen durchaus stabil. Die landschaftliche Szenerie, der Wetter- und Jahreszeitenwechsel sowie der Tag-Nacht-Zyklus bilden eine gute Grundlage für ein atmosphärisches Spiel. Auch die Aufmachung der verschiedenen Werkzeuge oder Rüstungen sind durchaus sehenswert, wenn auch noch nicht ganz ausgereift. Ebenso sind Animationen jeglicher Tätigkeiten noch sehr verbesserungswürdig. Die Musik hingegen ist ein großes Plus des Spiels und birgt mit einem schönen In-Game-Sound und gelungenen Hintergrundgeräuschen ein Kleinod für die Ohren, das es einem nicht wieder sofort aus diesen herausquillt. Gespräche finden entweder über den – schlecht einsehbaren und etwas umständlich zu bedienenden – In-Game-Chat oder in außerhalb des Spiels liegenden Voice-Channels statt, da diese noch nicht ins Spiel integriert wurden.
Das Spiel befindet sich noch immer in der Entwicklung (zum Zeitpunkt dieses Artikels Version 0.11.2.2) und es gibt immer noch massive Bugs, die es einem an der einen oder anderen Stelle verleiden, vor allem alles in Verbindung mit Pferden oder wenn ein ganzer Server dank nicht entwurzelter Baumstümpfe laggt. Auch die etwas dürftige Charaktererstellung ohne Erklärung und unlogische Animationen, wenn bspw. der Verfall von Häusern als über mehrere Kilometer sichtbarer Brand dargestellt wird, müssen noch überarbeitet werden. Ein weiteres Manko sind die Serverüberlastungen, da trotz anderslautender Versprechen die Kapazitäten für die Masse der Spieler nicht ausreichen, und die kritisierte Geldpolitik aka In-Game-Käufe.
Durch die frühe Version und die offenen Ohren der Entwickler sind wir aber guter Dinge, dass sich das noch in den Kinderschuhen steckende Spiel über die Zeit positiv entwickeln wird. Das Potential ist da.

Durchaus komplex, mit ansprechendem und realistischen Gameplay sowie viel Luft nach oben, ist dieses Spiel, das mit den richtigen Mitspielern viel Spaß machen kann und zu dem noch Vieles zu erzählen gäbe, schon jetzt die Zeit und das Geld wert. Dies aber solltet ihr selber herausfinden.

Life is Feudal: MMO ist seit dem 12.01.2018 für PC im Early Access auf Steam oder auch über die offizielle Webseite der Entwickler www.lifeisfeudal.com erhältlich.

Meine Abenteuer und mein Leben in meiner Gilde könnt ihr wöchentlich in meinem InGame-RPG-Tagebuch verfolgen.

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