Test

Test: Jump Force

Son Goku gegen Ruffy, Naruto gegen Freezer und Hisoka gegen Ichigo – Jump Force bringt zusammen was zusammen gehört und schafft so ganz nebenbei einen riesigen Spielplatz für Anime-und Mangafans.
Über 40 Charaktere aus satten 16 Shonen-Jump-Universen vereint Publisher Bandai Namco in deren neuesten Streich. Trotz der schier so großen Auswahl an Franchises und des vielversprechenden Konzeptes, muss auch ein so ambitioniertes Projekt wie Jump Force leider einige Zugeständnisse machen. Wir verraten euch, welche Einschränkungen Spieler hinnehmen müssen und wo die Stärken des Beat-em-Up-Mash-ups liegen.

From Zero to Hero

Die Welt steht einmal mehr vor ihrer völligen Zerstörung. Eine Gruppe skrupelloser Bösewichte, samt DragonBall-Antagonist Freeza, hat es sich zum Ziel gesetzt die Erde zu unterjochen. Einzige Rettung für den blauen Planeten ist die Jump Force, eine Vereinigung vieler populärer Shonen-Jump-Helden, die nun alles daran setzen dem Chaos ein Ende zu bereiten. In der Rolle eines namenlosen Helden tretet auch ihr der Jump Force bei und dürft schon bald unter der Leitung von Son Goku, Ruffy und Naruto zahlreiche Schlachten bestreiten, um weitere Helden zu rekrutieren.

Die Geschichte hinter Jump Force wird vereinzelt durch Cutscenes, größtenteils aber mittels Textboxen erzählt. Wie nicht anders zu erwarten, hält das Narrativ zwar einige nette Dialoge bereit, kann aber kaum von seiner lieblosen Inszenierung und seiner hanebüchenen Hintergrundgeschichte hinwegtrösten. Immer wieder werdet ihr gezwungen neue Story-Missionen auszuwählen, die ohnehin nur lose miteinander verbunden sind und euch unter fadenscheinigen Begründungen in den nächsten Zweikampf schicken. Dabei kann es durchaus schon Mal vorkommen, dass ihr – dem Narrativ geschuldet – ein und denselben Kampf gleich dreimal hintereinander absolvieren müsst.

Recht erfrischend ist da immerhin die Möglichkeit euren eigenen Helden zu erschaffen und ihn mittels verdientem Geld sowie Erfahrungspunkten mit immer neuen Skills und Fertigkeiten auszurüsten. Als Vorlage dienen dabei die 40 spielbaren Charaktere, aus deren Repertoire ihr eure Lieblingskonstellation zusammenstellen dürft. Ein simples Levelsystem, mit dessen Hilfe ihr passive Fertigkeiten aufwerten könnt, steigert zudem die Motivation den besten Kämpfer aller Zeiten zu erschaffen.

Eldorado für Anime-Fans

Jump Force größte Stärke ist wohl ohne Frage die beachtliche Anzahl an Kämpfern und spielbaren Charakteren. Aus satten 40 Reken könnt ihr über jegliche Franchisegrenzen hinaus euer Team individuell zusammenstellen und dieses in actiongeladenen 3vs3-Kämpfen aufeinander loslassen. Neben populären Prügelknaben wie Son Goku, Naruto und Ruffy, die sich ohnehin in regelmäßigen Abständen über neue Videospielversoftungen freuen dürfen, geben sich auch Raritäten wie der City Hunter, Gon oder Light Yagami die Ehre. Entwickler Spike Chunsoft hat sich sichtlich bemüht eine große Varianz an Fanlieblingen und Shonen-Jump-Figuren aus verschiedensten Jahrzehnten sowie Generationen abzubilden und lässt damit Fanherzen höher schlagen. Das sprichwörtliche Sahnehäubchen bilden die vielen komplett neuen Nebencharaktere, die extra für das Spiel von niemand geringerem als Dragonball-Vater und Mangaka Akira Toriyama designt wurden.

Das Roster lässt zwar kaum mehr Wünsche offen, solltet ihr aber dann doch einmal eure kreative Ader ausleben lassen wollen, kommt der Charakter-Editor ins Spiel. Hier könnt ihr eure eigenen aberwitzigen Kombinationen mit zahlreichen Assets aus bekannten Franchises zusammenbasteln. Neue kosmetische Items lassen sich dabei mittels Ingame-Währung erwerben. Im Gegensatz zur großen Charaktervielfalt stehen die Stages, die zwar auch in einer ausreichenden Zahl vorhanden sind, dafür aber optisch und stilistisch deutlich in den Hintergrund rücken. Neben realen Schauplätzen wie dem Times Square und Hong Kong, können sich Spieler auch über mangaspezifische Umgebungen wie Namek oder Konoha freuen. Leider wirken gerade die real nachempfundenen Stages viel zu groß, trostlos und trotz ihrer beleuchteten Hintergrundkulisse leer. Sie bieten spielerisch kaum einen Mehrwert, sind leblos und allem voran fast vollständig interaktionsslos, was sie in den actiongeladenen Kämpfen zu reinen 08/15-Kulissen verkommen lässt.

Außen pfui?

Doch der 3-vs.-3 Arenafighter hat mit weitaus größeren Schwierigkeiten zu kämpfen als nur mit seinen innovationslosen Stages. Zunächst wäre da wohl das lieblose Grafik- und Sounddesign des Spiels: Dank einem eigenwilligen Mix aus Comic-Look und Realismus gelingt es zwar die vielen verschiedenen Charaktere optisch einigermaßen gut zu einen und trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft in 3D-Modelle zu überführen, dennoch wirken ausnahmslos alle Charaktermodelle befremdlich und plastisch.
Die eingefrorenen Gesichtsausdrücke und kaum vorhandene Mimik tut ihr übriges um aus unseren bekannten Helden und Schurken, leblose Puppen zu machen. Der Grafikstil ist sicherlich ein Hingucker allerdings vermehrt für diejenigen unter euch, die auf obskure Gestalten der Marke „Sowas haben Sie noch nicht gesehen“ stehen. Nur gut also, dass man die missglückten Charaktermodelle im hektischen Kampfgetümmel sowieso kaum noch wahrnimmt.

Das Spiel kommt im Übrigen ausschließlich mit japanischer Sprachausgabe daher und setzt vollständig auf deutsche Bildschirmtexte. Zwar ist die Synchronisation erwartungsgemäß hochwertig, die Übersetzungen bilden aber gerade für die deutsche Fangemeinde wie sooft das sprichwörtliche Haar in der Suppe. So wurden nicht nur einige ikonsiche Attacken anders als in der offiziellen Anime- oder Manga-Vorlage übersetzt, auch die Oneliner unserer Helden verändern im Deutschen ab und an plötzlich ihre Bedeutung. Anstatt, dass sich Schwertkämpfer Zorro einmal mehr darüber beschwert, er habe den falschen Weg eingeschlagen und sich verlaufen, hat er im Deutschen ärgerlicherweise eine falsche Entscheidung getroffen. An anderer Stelle beginnt Vegeta plötzlich einen Roboter zu siezen, während Yugis Skill “Zieh!” klingt als hätte man ihn mit einem halbgaren Translationstool übersetzt. Diese Übersetzungsfehlerchen mindern den Spielspaß zwar kaum, sind aber gerade für deutsche Fans ein kleines, vermeidbar gewesenes Ärgernis.

Und die inneren Werte?

Die enttäuschende Aufmachung des Spiels setzt sich auch in der großen Oberwelt von Jump Force fort. Bevor ihr einem Kampf beitreten könnt, findet ihr euch in der Hub-Welt des Prüglers wieder. Hier trefft ihr nicht nur auf reale Mitspieler, sondern auch auf einige Verkaufs- und Infostände, von denen aus ihr Missionen auswählt oder wahlweise eine begrenzte Auswahl an neuen kosmetischen Items erwerbt. Gerade zum Spielstart war die Hub-Welt auf verschiedensten Instanzen vollständig überlaufen, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die Welt – ähnlich wie schon die Stages – leer und uninspiriert wirkt. Abgesehen von ein paar Anime-Helden, die euch einen generischen Oneliner nach dem anderen entgegenschleudern, gibt es hier kaum etwas zu entdecken. Hinzu kommen die Charakteranimationen, die abgehackt sowie unvollständig wirken und dadurch allem voran ungewollt zur Belustigung beitragen dürften. Insgesamt bietet die Hub-Welt nicht nur keinen spielerischen Mehrwert, sondern ist auch noch ein Ort der puren Langeweile, der euch immer wieder die technische Mittelmäßigkeit des Spiels wie ein Spiegel vorhält. Solche Kleinigkeiten sind genau die Punkte, die dazu beitragen, dass sich Jump Force nicht nur nicht wirklich rund, sondern stellenweise sogar unfertig anfühlt.

Trotz all dieser vernachlässigten Rahmenbedingungen bleibt die Frage: Wie sieht es eigentlich mit dem wichtigsten Spielbestandteil aus – den Kämpfen?
Hier kann Jump Force zumindest einiges an verbrannter Erde wieder gutmachen. Jump Force größte Stärke ist wohl der ausgeprägte Fanservice, der dem Spiel schon fast aus jeder Pore trieft. In einer geräumigen 3D-Arena schlagen sich Dreier-Teams bestehend aus den legendärsten Kämpfern der Anime-Geschichte die Köpfe ein und das mit einer ordentlichen Portion an bildgewaltigen Actioneinlagen. Jeder der 40 Kontrahenten verfügt dabei über drei ikonische Signature-Moves, die allesamt wunderschön in Szene gesetzt sind. Mittels Powerbalken lässt sich zudem noch ein ultimativer Angriff auslösen, der zumeist ein wahres Actionfeuerwerk auf eure Bildschirme zaubern und Fanherzen höher schlagen lassen. Ein aufgeladener Powerbalken hat aber noch einen weiteren, netten Nebeneffekt: Über den Befehl “Erwecken” kann sich euer Charakter dauerhaft transformieren und erhält damit einzigartige neue Fähigkeiten. Während sich ein Son Goku noch in einen Super Sayajin verwandelt, nutzt Ruffy beispielsweise seine Gear-Fähigkeiten und Naruto entfesselt seinen Bijou Kurama.

Wirklich erfrischend sind dabei die Spruchwechsel eurer Teamkapitäne zu Beginn einer Auseinandersetzung. Je nach Charakterzusammenstellung ergeben sich hier nette Insider, die vor allem Kenner der Vorlagen zum schmunzeln bringen dürften. So verspricht Sanji den drei einzigen Frauen im Roster beispielsweise, dass er ihnen als Gentlemen kein Haar krümmen wird und genau das setzt er auch im nachfolgenden Kampf um. Sanji erhält plötzlich ein völlig neues Moveset, mit dem er seiner Angebeteten allerdings kein bisschen Schaden zufügen kann.

Tiefgang gesucht

Die Steuerung zeigt sich insgesamt äußerst zugänglich und ist gerade für Gelegenheitsspieler sowie Genre-Neulinge wunderbar geeignet. So sind die Eingaben für jeden der verfügbaren Charaktere genau identisch: Über den rechten Trigger lassen sich in Kombination mit den vier Buttons jeweils ein entsprechender Skill auslösen. Abseits davon gewährt euch Jump Force zusätzlich einen schweren sowie normalen Schlagangriff, einen Ausweich-Move und selbstverständlich ein Block-Manöver. Das Beat’em up gestaltet sich hier recht einsteigerfreundlich und erlaubt es euch schon mit wenigen spielerischen Kenntnissen spektakuläre Attacken vom Zaun zu brechen. Dafür legt der Prügler aber auch vergleichsweise wenig Fokus auf manuelle Kombos und schwierige Tastenkombinationen. Stattdessen werden Kombos kurz gehalten und fast schon automatisch durch das Drücken immer gleicher Tasten ausgelöst. Genre-Veteranen werden spielerisch vor keine wirklichen Herausforderungen gestellt, Anfänger hingegen finden schnell ins Spiel und dürfen bereits kurz nach Spielstart Erfolge feiern.

Trotz der wenig anspruchsvollen Eingabemethoden sind die Kämpfe im Ergebnis schnell und actionreich. Ihr könnt den jeweiligen aktiven Part eures Teams jederzeit durchwechseln und so auf alle drei Kameraden nacheinander zugreifen. Schade nur, dass sich alle Charaktere nur eine einzige Lebensanzeige teilen, was das hin- und herwechseln fast schon obsolet macht. Wirkliche taktischen Vorteile ergeben sich daraus nämlich kaum. Ähnlich verhält es sich leider mit dem eingebauten Elementarsystem. So hat Entwickler Spike Chunsoft jedem Helden und jedem Angriff ein Element zugeordnet, das natürlich besonderes effizient gegenüber einem ander n Element ist. Dieses Schere-Stein-Papier-Prinzip ist gerade in den rasanten Kämpfen so undurchsichtig, dass es praktisch permanent zum reinen Glücksspiel verkommt. Auch die Tatsache, dass sich beinahe sämtliche Angriffe mit dem richtigen Timing per Tastendruck blocken lassen, nehmen dem Spiel viel taktische Substanz.

Lassen wir mal den spielerischen Tiefgang außer Acht, besticht Jump Force allem voran durch eine Vielzahl von Missionen und Modi. Neben zahlreichen Einzelspieler-Aufträgen, die am Ende dann doch nur in ein und demselben Handgemenge enden, könnt ihr euer Können selbstverständlich jederzeit auch gegen Online-Spieler beweisen. Anders als noch in der Beta zeigte der Online-Modus im Finalspiel eine durchweg gute und stabile Konnektivität. Für alle beinharten Offline-Spieler bietet sich darüber hinaus der lokale Zweispielermodus an, in dem ihr euch zu zweit an einer Konsole messen könnt. Gerade die lokalen Kämpfe machen wie gewohnt enorm Spaß, wenngleich auch die eigenwillige Kamera die Übersicht ab und an unschön einschränkt.

Fazit

Jump Force ist in erster Linie ein kurzweiliger Haudrauf-Prügler, der allem voran von seinen Lizenzen und bildgewaltigen Effekten lebt.

Lässt man mal die lieblose Inszenierung, den gewöhnungsbedürftigen Grafikstil und einige fragwürdige Designentscheidungen bei Seite, bleiben insbesondere die rasanten, wenngleich auch recht simplen Kämpfe in Erinnerung.

Aber seien wir Mal ehrlich: Jump Force fehlt es so sehr an Feinschliff, Tiefgang und Anspruch, dass der Prügler zwangsläufig ein Dasein in der Mittelmäßigkeit fristen muss. Und dennoch, der ausgeprägte Fanservice, der sich in so vielen Facetten des Spiels wiederfindet, dürfte Anime- und Manga-Fans aller Art in ihren Bann ziehen dürften.

Gib deinen Senf dazu

Bitte gebe deinen Kommentar ein!
Bitte gebe hier deinen Namen ein

Jump Force ist in erster Linie ein kurzweiliger Haudrauf-Prügler, der allem voran von seinen Lizenzen und bildgewaltigen Effekten lebt. <br><br> Lässt man mal die lieblose Inszenierung, den gewöhnungsbedürftigen Grafikstil und einige fragwürdige Designentscheidungen bei Seite, bleiben insbesondere die rasanten, wenngleich auch recht simplen Kämpfe in Erinnerung.<br><br> Aber seien wir Mal ehrlich: Jump Force fehlt es so sehr an Feinschliff, Tiefgang und Anspruch, dass der Prügler zwangsläufig ein Dasein in der Mittelmäßigkeit fristen muss. Und dennoch, der ausgeprägte Fanservice, der sich in so vielen Facetten des Spiels wiederfindet, dürfte Anime- und Manga-Fans aller Art in ihren Bann ziehen dürften.Test: Jump Force