TEST

Operation Tango

It takes two to survive

Escape Room mal anders – das dachte sich wohl Indie-Entwickler Clever Plays, als er anfing, Operation Tango zu entwickeln. Im Anfang Juni erschienenen Zweitwerk des kanadischen Studios begebt ihr euch im Duo auf einige geheime Missionen im Stil von Escape Room-Rätseln. Bietet das Koop-Abenteuer wirklich großen Spionage-Spaß oder doch nur 0815-Rätsel?

Zusammen – aber doch getrennt

Das Konzept von Operation Tango ist genau so einfach wie genial: zusammen mit einem*einer Partner*in schlüpft ihr in die Rollen eines spektakulären Spionage-Duos. Der Clou daran? Ihr seht nicht, was der jeweils andere gerade macht, und seid komplett auf die gemeinsame Kommunikation angewiesen – das kann durchaus kniffliger sein, als es jetzt gerade klingt. Und das wird vermutlich nicht an technischen Details wie dem glücklicherweise integrierten Ingame-Sprach-Chat liegen…

Zu Beginn jeder Mission könnt ihr euch dabei entscheiden, ob ihr lieber Hacker im Hintergrund oder Agentin an vorderster Front sein wollt. Dabei kann jede der insgesamt sechs Missionen beliebig oft wiederholt werden und somit auch das Wechseln der Klasse ermöglichen – was den Wiederspielwert natürlich ungemein erhöht.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man (ähnlich wie bei Genrekollegen wie It Takes Two oder A Way Out) nur eine Vollversion des Spiels benötigt, um zusammen mit einem*einer Freund*in spielen zu können. Dazu benötigt euer*eure Koop-Partner*in lediglich den kostenlosen Operation Tango: Friend Pass.

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Angel, die Agentin – mittendrin im Geschehen

Als Agentin steht man, wie bereits erwähnt, mitten im Geschehen, in dem das Gameplay neben klassischem Rätseln auch gerne mal in Stealth-“Action” übergeht. Dabei geht es nicht darum, auf einmal vielen Gegner*innen gegenüberzustehen oder wilden Verfolgungsjagden ausgesetzt zu sein. Vielmehr gibt es Aufgaben gegen die Zeit und Laser, Drohnen oder digitale Abwehrmechanismen zu lösen, was einen schon mal ins Schwitzen bringen kann.
Im Gegensatz zum Hacker, der meist grüne und neonfarbene Oberflächen vor Augen hat, bekommt man als Agentin die gesamte Farbenpracht der 3D-Umgebungen zu sehen. Obwohl sich die Figur der Hackerin deutlich mehr bewegt als ihr Partner, heißt das nicht automatisch, dass sie den “aktiveren” Part einnimmt. Das ganze Spiel ist ein großes Geben und Nehmen – ohne gegenseitige Unterstützung funktioniert da gar nichts. Immer wieder wird die Hilfe des Hackers benötigt, um sich Zugang zu bestimmten Orten zu verschaffen oder generell zu erfahren, was denn nun die nächsten Schritte sind, damit es weitergeht. Im Gegenzug müssen wir natürlich auch unseren Hacker-Kollegen unterstützen und mit Informationen füttern.

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Alistair, der Hacker – Unsichtbar im Hintergrund

Wer sich lieber mit schön aufbereiteten Screens, die für einige erst auf den zweiten Blick und in der Kommunikation mit dem*der Mitspieler*in Sinn ergeben, auseinandersetzen möchte, um seiner Partnerin duch vielerlei knifflige Situationen zu helfen, dem sei Alistair ans Herz gelegt. Zwar mussten wir als Hacker nicht ins Feld und Kopf und Kragen riskieren, jedoch ist die Verantwortung, die wir tragen, nicht weniger gering als die Angels. Und auch die Aufregung, die wir im Kampf gegen die Uhr immer wieder verspürt haben, ist nicht zu unterschätzen.
Denn obwohl das Hacken von Überwachungskameras für uns natürlich kein Problem darstellt, erlauben diese uns nur einen kleinen Ausschnitt zu erfassen. Schlüsselinformationen bleiben uns häufig verborgen und sind nur im Gespräch mit unserer Partnerin Angel zu erfahren. Was bedeutet bspw. das Kästchen mit den farbigen Punkten oder in welcher Reihenfolge muss man die Vielzahl erscheinender Menüs abarbeiten, die auf dem Bildschirm aufploppen?
Hier bringen erst beide Sichtweisen den entscheidenden Hinweis, um Rätsel und Zusammenhänge zu verstehen und richtig zu reagieren. Und nicht alles ist so offensichtlich, wie es manchmal erscheint. Damit es nicht zu eintönig wird, gibt es auch aktive Passagen für uns, wenn wir bspw. auf der digitalen Autobahn, die entfernt schon ein bisschen an Mario Kart erinnert hat, unterwegs sind und mit Hilfe unserer Agentenkollegin die richtigen Abzweigungen finden oder Hindernissen ausweichen müssen. So sind in Operation Tango wichtige Datenbanken geschützt, wie im richtigen Leben, oder…?
Zum Glück gilt im Spiel das Prinzip “Trial and Error”. Wenn die eigenen Fähigkeiten (mysteriöserweise) versagen, können wir zum Glück nochmal von vorne beginnen.

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Kniffliger Spionage-Thriller?

Das Spiel im durchaus charmanten Kanten-Comic-Stil bietet mehr als nur aneinandergereihte Rätsel. Auf eurer großen Mission geht es einmal rund um die Welt, nicht umsonst trägt Operation Tango den Beititel It takes two to save the world. Dabei kommt durchaus Agentin- bzw. Hacker-Atmosphäre auf, allerdings ist die Rahmenhandlung eben auch genau das: ein Rahmen. Wer eine große, spektakulär inszenierte Story erwartet, der sollte die eigene Erwartungshaltung ein wenig herunterschrauben. Das tut dem interessanten Gameplay aber keinen Abbruch – auf eben diesem und den kommunikativen Aspekten liegt definitiv der Fokus des relativ kurzen Abenteuers.

Knifflig sind die Rätsel allemal, unfair aber glücklicherweise nicht. Zwar haben auch wir nicht immer alles auf Anhieb geschafft, aber mit ein bisschen Kommunikation, Konzentration und Knobelei konnten wir doch immer wieder Herr (Anm. Christina: meist Frau :D) der Lage werden. Lediglich an einer Stelle wussten wir nicht so genau, was denn jetzt wirklich in dem “Mini-Spiel” verlangt ist. Glücklicherweise hat uns das nicht das Spiel blockiert – wenn auch mehr durch Glück als durch Können. Alles in allem ist Operation Tango zwar herausfordernd und benötigt ein gewissen Maß an Konzentration, aber ohne, dass der Spaß dabei zu kurz kommt.

Meinung

Nico:
Das asynchrone Koop-Abenteuer Operation Tango ist sicherlich nicht für jede*n etwas. Uns konnte das recht frische Konzept aber durchaus überzeugen. Rätselfreund*innen mit einem Fable für Spiele wie Portal, It Takes Two oder ähnlichen Erfahrungen werden sicherlich auch mit Operation Tango ihren Spaß haben. Wo Grafik und Story zwar nett, aber nicht überragend sind, kann mit Gameplay aufgewartet werden. Das Spiel bietet durchweg solide Unterhaltung für round about 6 Stunden und bietet damit eine Steilvorlage für einen durchregneten Nachmittag oder eine lange Late-Night-Session.

Christina:
Operation Tango bietet das, was Erfolgshits wie It Takes Two vermissen ließen: eine wirkliche Herausforderung. Die getrennten Bildschirme und die nicht auf den ersten Blick zu lösenden Rätsel veranlassen Teams effizient und überlegt miteinander zu kommunizieren und weiterzukommen. Die Rätsel sind zwar nicht unlösbar schwer, erfordern aber durchaus das eine oder andere Mal um die Ecke denken. Wir hoffen, dass diesem innovativen Ansatz noch viele weitere folgen, denn trotz der Kürze des Titels und der etwas dürftigen Story hatten wir vor allem das: viel Spaß und eine Menge Gehirntraining.
Präsentation
8
Spieldesign
8
Atmosphäre/Story
6
Balance
9
Umfang
7

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