TEST

Persona 5 Royal

Eine majestätische Rückkehr

Die Phantomdiebe sind zurück! Entwickler Atlus unterzog sein gefeiertes JRPG Persona 5 einer Frischzellenkur. Während japanische Spieler schon letztes Jahr in die royale Neufassung eintauchen konnten, erscheint sie nun auch hierzulande – inklusive deutscher Bildschirmtexte. Aber weiß das abgedrehte Rollenspiel auch noch im Jahr 2020 unsere Herzen zu stehlen? Unser Test liefert die Antwort!

Mit Persona 5 erschien 2017 der von Kritikern, wie Fans mit Lorbeeren überhäufte Hybrid aus
(Schul-)Alltagssimulation und Rollenspiel. Drei Jahre später folgt nun zwar kein vollwertiger Nachfolger, dafür hat Entwickler Atlus seinem Genre-Schatz allerdings einen königlichen Neuanstrich verpasst. Aber was bedeutet das? Haben wir es hier mit einer verspäteten und schnittigem Titel versehenen Game of the Year-Version zu tun, welche uns mit schicken, optionalen Kostümen und Waffen ausstattet? Insoweit kann ich schon mal Entwarnung geben: Atlus hat sich da deutlich mehr Mühe gegeben.

Schüler / Phantomdieb

Doch zunächst ein paar Worte zur Handlung von Persona 5 Royal für all jene, die noch ganz jungfräulich auf das schräge Rollenspiel des japanischen Unternehmens linsen. Als Spieler übernehmen wir die Rolle eines jungen, japanischen Oberschülers, der seinen ersten Tag an einer neuen Schule, in einer neuen Stadt erwartet. Unser namenloser Protagonist war nämlich dazu gezwungen seinen Wohnort zu wechseln, nachdem er zu Unrecht der Körperverletzung angeklagt wurde. So kommen wir nun bei einem Bekannten der Familie, auf dem Dachboden seines Cafés unter, schreiben uns an der Shujin-Akademie ein und werden gleich an unserem ersten Schultag Zeuge bizarrer Ereignisse: Anstelle der Schule, finden wir ein verzerrtes Schloss vor. 

Aus Schule wird Schloss

Wir tun uns mit dem rebellischen Schul-Rowdy Ryuji Sakamoto zusammen und steigen bald dahinter, dass es sich bei dieser verquerten Parallelwelt um das sogenannte Metaverse handelt, in dem sich die Psyche verdorbener Menschen manifestiert. Als wäre das nicht genug, stellt sich heraus, dass wir das Potenzial in uns bergen, sogenannte Persona zu befehligen – Ausprägungen unseres Geistes in Form von dämonischen Begleitern. Diese besondere Anlage entdecken wir nach und nach bei weiteren Gefährten, mit denen wir uns unter dem Spruchbanner der Phantomdiebe zusammentun und der Aufgabe verschreiben, die Herzen mieser Übeltäter zu stehlen, um so ihren Missetaten Einhalt zu gebieten.

Das alles mag auf den ersten Eindruck verwirrend klingen, fügt sich im Spielverlauf aber sehr stimmig und fesselnd zusammen. So wird die Handlung in ausgiebigen Dialogen zwischen den Charakteren vorangetrieben, welche während der Infiltration von sogenannten Palästen – den Dungeons des Spiels, welche die Gedankenwelt von besonders durchtriebenen Schuften darstellen – oder aber innerhalb des Schulalltags stattfinden. Richtig gelesen: Als Phantomdieb widmen wir uns zwar der ehrbaren Aufgabe, den moralischen Kompass verdorbener Individuen zurecht zu rücken, dürfen dabei aber nicht außer Acht lassen, dass wir eben noch Teenager und Schüler sind.

Zu Unrecht als Störenfried abgestempelt? Ryuji Sakamoto

Klausurenstress und Freizeitspaß

Entsprechend verbringen wir die in Tageszeiten eingeteilten Wochentage damit, morgens die Schulbank zu drücken. Hier gilt es die Fragen der Lehrer zu beantworten, Klausuren zu schreiben, oder sich zum Lernen in die Bibliothek zurückzuziehen. Jede Tätigkeit lässt dabei die Tageszeit voranschreiten, sodass euch lediglich eine begrenzte Anzahl von Aktionen am Tag möglich ist. Die Optionen sind dabei sehr vielseitig und haben die unterschiedlichsten Auswirkungen auf uns.

Je nach Aktivität erhöhen sich unterschiedliche Basis-Parameter wie Mut, Charme oder Wissen. Setzen wir uns zum Lernen in die Bibliothek, erhöht sich etwa unser Wissen; zieht es uns nach der Schule für einen Horrorfilm ins Kino, hat das positive Auswirkungen auf unseren Mut. Wir können aber auch dem Café-Besitzer, der uns Obhut bietet unter die Arme greifen und seine Räumlichkeiten putzen, was mit einem Bonus auf den Wert der Güte belohnt wird, oder an unserem Schreibtisch Werkzeug für Infiltrationen fertigen und so unser technisches Können aufpolieren.

Wissen wir Antwort auf die Fragen der Lehrer, werden wir mit einem Wissens-Bonus belohnt

Darüber hinaus steht es uns offen, unsere Freizeit mit Gefährten und weiteren sogenannten Vertrauten zu verbringen, welche wir im Spielverlauf nach und nach kennenlernen. Das festigt die Bindung zu den Kameraden, die sich uns mit steigendem Vertrauen öffnen, tiefere Einblicke in ihre Geschichte geben, aber auch neue Fertigkeiten für den Kampf freischalten. Natürlich müssen aber auch solche Verabredungen in der Wochenplanung berücksichtigt werden. Je nach Tageszeit und voranschreitender Handlung eröffnen sich unzählige Möglichkeiten, sodass einen die schiere Masse an Optionen durchaus mal zu übermannen weiß. Da die Handlung des Spiels aber mehr als ein Jahr umfasst, kann man dabei beruhigt alle Aktivitäten ausloten – kein Grund zum Stress.

Die Straßen von Shibuya bieten allerlei Freizeitmöglichkeiten

Take Your Heart!

Stellt die Simulation des (Schul-)Alltags den einen Grundpfeiler von Persona 5 (Royal) dar, besteht der zweite aus den bereits angesprochenen Palast-Infiltrationen. Eng mit der Haupthandlung des Spiels verbunden, arbeiten wir uns in diesen Passagen durch umfangreiche, handgefertigte Dungeons, welche die Begierden unserer zum Herzraub auserkorenen Zielpersonen widerspiegeln. Ein Beispiel: der erste Palast verzerrt unsere Schule zu einem grotesken Schloss, in dem sich der Schatten des arglistigen Sportlehrers zum lüsternen König aufspielt. Der pompöse Palast ist seinem Charakter entsprechend mit allerlei goldenem Prunk “geschmückt”, wie etwa Frauenkörpern nachempfundenen Statuen. Generell gilt, dass man diesen thematischen Dungeons nahezu durchgehend die profunde Arbeit anmerkt, welche in ihr durchdachtes Design geflossen ist. Lauter visueller Details unterstützen die Charakterisierung unserer Ziele und regelmäßige bizarre Ideen wissen ihrer Kreativität wegen zu begeistern.

Wie aber verhält es sich gameplay-technisch mit den Infiltrationen? Diese müssen in der Regel innerhalb einer von der Handlung vorgegebenen Deadline erfolgen, wann genau wir uns aber zum Raubzug entschließen bleibt uns überlassen. Ziehen wir los, gilt es die verborgenen Begierden der Zielperson in Form eines Schatzes ausfindig zu machen und zu stehlen. Dafür durchstreifen wir den Dungeon, entdecken Schatztruhen, schleichen uns wie es sich für Diebe gehört aus der Deckung in den Rücken der Feinde und sichern uns damit einen Vorteil in den serientypisch rundenbasierten Kämpfen.

Ja, richtig gelesen – an skurrilen Gegnern wird nicht gespart.

Zwischen stylischer Action und gemeinen Deals

Stichwort Kampf: Diese fühlen sich auch drei Jahre nach Veröffentlichung der Originalversion so geschmeidig und intuitiv an, wie in wenigen anderen Genre-Vertretern. Neben diverser Zauber unterschiedlicher Elemente, die mit den von uns mitgeführten Persona einhergehen, besitzen die Phantomdiebe allesamt eine charakterspezifische Nah- und Fernkampfwaffe, mit denen sie sich zur Wehr setzen können. Feindliche Dämonen weisen simple Resistenz- und Schwächemuster auf, die es konsequent auszunutzen gilt. Fürchtet ein Widersacher etwa das feurige Element, sind wir gut damit beraten ihm mithilfe eines Agi-Zaubers einzuheizen. Gelingt uns ein solcher Angriff, der die Schwäche eines Gegners ausnutzt, verfällt dieser in einen Ohnmachtszustand, der uns Folgeangriffe erleichtert und zudem die Option gibt einen weiteren Angriff zu starten. Den können wir nach Belieben selbst ausführen, oder einem unserer Mitstreiter überlassen. Versetzen wir eine komplette Gegnergruppe in Ohnmacht, steht die Möglichkeit zu einem verheerenden Gruppenangriff offen, oder aber… wir verhandeln mit unseren Feinden.

Denn neben der Option mit unseren Kontrahenten den Boden aufzuwischen, bietet sich ebenso die Chance den Konflikt mit Worten aufzulösen. So steht uns offen, Feinde im Gegenzug für Geld oder Items davonziehen zu lassen, oder sie um ihre Kraft zu bitten. Kommen wir zu einer Einigung, steht uns die feindliche Persona fortan zur Verfügung. Dies bringt eine tolle Dynamik in die Kampfsituationen, die sich auch heute noch frisch anfühlt.

Kämpfe lassen sich auch mit fiesen Erpressungen beenden

Preisverdächtiges Kampfsystem

Während das Spiel zumindest ab normalem Schwierigkeitsgrad aufwärts konstant angenehm zu fordern weiß, wissen gerade die mächtigen Bossgegner am Ende eines jeden Palastes unsere Fähigkeiten auf die Probe zu stellen. Hier ist nichts mit Verhandeln, sondern kreativer Einsatz des Skill-Repertoires gefragt.

Wichtig anzumerken ist an dieser Stelle, wie wunderbar leicht die Kampfszenarien von der Hand gehen. Wir müssen uns nicht mühselig durch Menüs klicken, um eine entsprechende Aktion durchzuführen, da alle essentiellen Mechaniken mit einem eigenen Knopf auf dem Controller bedacht sind. Sobald man sich mit den Systemen vertraut gemacht und verschiedene Gegnertypen kennengelernt hat, sorgt dies im Kampf entsprechend für einen flotten Rhythmus, welcher sich unglaublich befriedigend anfühlt.

Stylisch, lässig, schräg – die Kämpfe scheuen sich nicht vor einer grellen Inszenierung

Kollektiver Alptraum

Wenn wir es gerade nicht mit einer großen Zielperson zu tun haben, es uns aber dennoch in den Fingern kitzelt Dämonen aufzumischen, können wir diesem Bedürfnis im sogenannten Mementos Abhilfe schaffen. Dieser dämonische Wust aus gespenstischen U-Bahn-Tunneln fungiert als kollektiver Gedankenpalast der Sorgen und Begierden einer ganzen Stadt. Im Gegensatz zu den individuell, feinfühlig gestalteten Themenpalästen im Rahmen der Hauptgeschichte, handelt es sich hierbei – ähnlich wie in den Vorgängern – um einen zufallsgenerierten Dungeon, in dem wir immer wieder zurückkehren, Nebenaufgaben erledigen und nach Schätzen Ausschau halten können.

Damit wir für all diese diebischen Ausflüge auch stets gewappnet sind, steht uns der Velvet Room zur Verfügung, in dem wir Persona aufwerten oder gar opfern können, um sie zu neuen, mächtigeren Begleitern zu verschmelzen. Diese Optionen bleiben anfangs noch etwas undurchsichtig, sodass man sich dabei erwischt, wild herum zu probieren. Hat man den Dreh allerdings einmal raus, entstehen zahlreiche Möglichkeiten zur Optimierung des eigenen Dämonenteams.

Der kollektive Gedankenpalast ‘Mementos’ präsentiert sich als dämonisches U-Bahn-Netzwerk

Royale Neuzugänge

Alles schön und gut! Was aber macht Persona 5 Royal nun anders als die ohnehin schon durchweg gelungene Originalversion? Tatsächlich eine ganze Menge und wie eingangs erwähnt, nicht im häufig beobachteten GOTY-Stil, indem es einfach nochmal samt aller bis hierhin veröffentlichten Inhalte auf den Markt gespuckt wird. Vielmehr sind die sowohl spiel-, als auch inhaltstechnischen Neuerungen filigran in das Hauptspiel eingewebt worden.

Das zeigt sich schon in einer leicht abgewandelten Einstiegssequenz, in der wir Bekanntschaft mit einer mysteriösen Maskenträgerin machen, welche uns zur Flucht verhilft. Außerhalb des Metaverse lernen wir die junge Frau als Kasumi Yoshizawa kennen, welche ebenso unsere Schule besucht.
Die sanftmütige Leichtathletin treffen wir im Laufe der Hauptgeschichte immer wieder, ehe sie gar elementarer Bestandteil der Handlung wird. Besonders lobenswert ist hierbei der Umstand, dass sich ihr Charakter nicht ungelenk in die Geschichte hineingepresst anfühlt, sondern ganz im Gegenteil so, als wäre sie schon immer da gewesen. Selbiges gilt für den liebenswürdigen Schultherapeuten Takuto Maruki, welcher sich der jugendlichen Sorgen der Schüler annimmt. Den ulkigen Seelsorger können wir zur Therapie aufsuchen und damit dauerhaft unseren Skillpunkt-Wert hochschrauben: Praktisch!

Die Handlung des Spiels wurde übrigens nicht nur mit frischen Charakteren aufgefüllt, sondern gleich noch um ein neues Trimester erweitert. Sind einem die 80-100 Stunden, welche man gut und gerne bislang in der Welt von Persona 5 verbringen konnte noch nicht genug, darf man sich nun auf mindestens 20 zusätzliche Spielstunden freuen, welche die Geschichte befriedigend weiterführen.

Was hat es mit der mysteriösen Maskenträgerin auf sich?

Innovation über und unter Tage …

Ein weiterer Neuling gesellt sich in Form des putzigen José hinzu, welcher durch das Mementos streift und unseren Aufenthalt dort gleich etwas aufregender gestaltet. Der kleine Junge in Weiß bittet uns nämlich um das Sammeln von Blumen und Stempeln, welche im Gegenzug zum einen gegen nützliche Items, zum anderen gegen Optionen eingetauscht werden können, die Spielerfahrung im Mementos anzupassen. So können wir beispielsweise die Menge erhaltener Items von Gegnern erhöhen, oder einen Erfahrungsboost erspielen. War das Grinden im Mementos bislang verhältnismäßig eintönig, erfindet diese Neuerung das Spielerlebnis zwar nicht neu, erhöht aber durchaus die Motivation zum Jagdausflug.

Sollte einem im bislang zugänglichen Teil von Tokyo die Decke auf den Kopf zu fallen gedroht haben, lässt sich nun zudem frische Luft im neuen Stadtteil Kichijoji schnuppern. Versorgte uns Shibuya bereits mit zahlreichen Möglichkeiten unsere Freizeit zu gestalten, stockt Kichijoji diese noch weiter auf. Wir können mit unseren Vertrauten Pool oder Dart spielen, eine lässige Jazz-Bar besuchen, oder Ruhe bei der Meditation an einem alten Tempel finden, welche sich positiv auf unseren SP-Wert aufwirkt.

Der neue Stadtteil Kichijoji begeistert mit engen, belebten Gassen und munterem Nachtleben

… so weit das Auge reicht!

Es sind aber nicht nur diese frischen Neuzugänge die zu begeistern wissen. Persona 5 Royal wimmelt nur so von zahlreichen, sinnvollen Anpassungen und Verbesserungen, welche auch noch die wenigen Makel der Originalversion gekonnt wegschleifen. Tigerten wir schleichend durch die Paläste der Ur-Version, waren wir nicht selten mit unangenehmen Stellen konfrontiert, in denen man eine große Gruppe von Gegnern ungelenk umschiffen musste, wollte man einen ausschweifenden Kampf umgehen. Ein Unterfangen das vor allem deswegen konstant zu frustrieren drohte, weil es häufig undurchsichtig blieb, wie man dabei vorgehen musste. Royal schafft diesem Umstand Abhilfe, indem es uns mit einem neuen Gadget ausstattet: dem Enterhaken. Wie es sich für stylische Diebe gehört, können wir diesen dazu nutzen, an höher gelegene Orte zu huschen und alternative Passagen freizulegen. Ferner lassen sich nun in jedem Palast drei sogenannte Willenssamen aufspüren, die uns die Skillpunkte auffrischen und mit neuer Ausrüstung belohnen.

Finden wir in Palästen diese versteckten Willenssamen, werden unsere Skillpunkte aufgefrischt

In Kampfsituationen gingen wir bislang nur sehr spärlich mit unseren Fernkampfwaffen um, da Munition ein rares Gut darstellte. Royal füllt unseren Munitionsbestand nach jedem Kampf neu auf, sodass unsere Schießeisen endlich einen sinnvollen Stellenwert innerhalb der Kämpfe erhalten. Darüber hinaus stehen uns nun mächtige und serientypisch aberwitzig inszenierte Teamangriffe zur Verfügung, mit denen die Kampfarena je nach Konstellation auf andere skurrile Weise ins Beben gerät. Auch in die Reihen der Gegner gesellen sich frische, neue Dämonengesichter. So etwa auch die besonders tückischen Desaster-Schatten – funkelnde Alternativ-Versionen bekannter Gegnertypen, die zwar nicht von sich aus zuschlagen, aber jeden Angriff frech mit einem Konter bedenken. Gelingt es uns einen solchen Schatten außer Gefecht zu setzen, explodiert er und fügt seinen unheimlichen Teamkollegen zusätzlichen Schaden zu. Diese Neuerungen eröffnen die eine oder andere neue Strategie in Gefechten und verfeinern das großartige Kampfsystem noch weiter.

Strecken wir einen Desaster-Schatten nieder, sprengt er seine Kameraden gleich mit in die Luft

Strahlend frische Schurken

Auch an die imposanten Bossgefechte wurde nochmal Hand angelegt. Alle Auseinandersetzungen wurden mit Phasen bestückt, die neben einer Verbesserung der Kampferfahrung auch die Handlung unterstützen. Wir erinnern uns an den sadistischen Volleyball-Coach: dieser ruft nun im Kampf Abbilder der SchülerInnen zur Unterstützung, welche in der realen Welt unter seinem eisigen Regiment leiden. Es liegt an uns, ob wir es über’s Herz bringen auf unsere Freunde einzudreschen, um den Kampf gegen den listigen Boss zu erleichtern. Diese Komponente setzt den elektrisierenden Schlachten die Krone auf, indem sie eine zusätzliche emotionale Tiefe erhalten.

Die Optik von Persona 5 kann sich auch 2020 durchaus noch sehen lassen. Die Grafik des ursprünglichen PS3-Ports brillierte zwar bei Weitem nicht durch haarscharfe Texturen, wusste seine technischen Schwächen aber durch ein verspieltes und innovatives Art Design mehr als wettzumachen. Seien es der Schwall an kreativen Gestaltungen im Metaverse, oder der nahtlose Übergang von Kämpfen in irre Graffiti-artige Ergebnisbildschirme – der lässige Vibe des Phantomdieb-Settings begeistert heute wie damals, vorausgesetzt man kann mit dem Anime-Look etwas anfangen. Dies hielt Atlus aber nicht davon ab, auch hier nochmal anzupacken. So wurden die schwammigen Texturen aus der Originalversion für die PlayStation 4 optimiert, alles wirkt nun deutlich schärfer und klarer anzusehen. PlayStation 4 Pro-Besitzer dürfen sich dabei zudem über 4K-Support freuen. Bei knackigeren Texturen wurde aber nicht Halt gemacht, diverse Figurenmodelle, einschließlich jener der Bossgegner, wurden bearbeitet und auch die gezeichneten Charakterportraits erhielten ein Facelifting. Dies fällt mal mehr, mal weniger auf, ist aber in jedem Fall lobenswert.

Die zahlreichen Bossgegner warten mit teils komplett neuen Kampfphasen auf

Sprachbarriere adé!

Ein wichtiger Faktor für europäische Neueinsteiger dürfte sicherlich die Lokalisation der Bildschirmtexte sein. Waren wir bisher immer gezwungen Dialoge und Menütexte in englischer (oder wahlweise japanischer) Schrift zu lesen, markiert Persona 5 Royal den ersten Eintrag in der Serie, in dem wir zwischen französischen, italienischen, spanischen und deutschen Untertiteln wählen können – Halleluja! Der langjährige Wunsch aus Reihen der europäischen Fans wurde also endlich erhört und jeder, der bislang nur der Sprachbarriere wegen Abstand von Persona 5 nahm, darf nun ungezügelt zuschlagen. Die Untertitel sind nämlich bis auf wenige Patzer durchweg kompetent lokalisiert und bringen den Charme, Witz und Eigenarten der Figuren gelungen rüber.

Bezüglich der auditiven Erfahrung bleibt übrigens alles beim Alten. Wir können zwischen englischer und japanischer Sprachausgabe wählen – an beiden Tonspuren ist nichts auszusetzen. Über alle Zweifel erhaben bleibt auch der preisverdächtige Soundtrack, der mit seinen euphorisierenden Jazz- und Pop-Klängen und mitreißenden Vocals immer wieder zum Wippen einlädt und auch nach dem x-ten Mal Hören nicht langweilig wird.

Wer kennt es nicht?

Für Neulinge und Veteranen

Lohnt es sich nun für Kenner der Originalversion einmal mehr in die Welt von Persona 5 einzutauchen? Das ist eine Frage auf die lediglich subjektiv geantwortet werden kann. Mögliche Skepsis darüber, ob Royal lediglich die unmotivierte Aufwärmung eines alten Gerichts darstellt, kann ich jedenfalls ausnahmslos zerschlagen. Diese neue Version hat sich ihren königlichen Untertitel redlich verdient. Enwickler Atlus hat konsequent an den wenigen Schwächen ihres brillanten JRPG gefeilt, Kritik aus Reihen der Fans zu Herzen genommen und lautgewordene Wünsche erfüllt. Alle Arbeit die dabei in die Neuauflage floss, wirkt zu keiner Zeit wie das Abarbeiten einer Liste von Berichtigungen, sondern wie die umsichtige und planvolle Veredelung eines lieb gewonnenen Schatzes. Das bereits vorher 80-100 Stunden umfassende Mammutwerk wird mit neuen Handlungssträngen um mindestens 20 Stunden erweitert und strotzt aus allen Ecken und Kanten mit kleinen und großen Verfeinerungen. 

Hat man bereits die Version von 2017 (durch)gespielt, muss man natürlich den Enthusiasmus und die Zeit mitbringen, sich einmal mehr in das im Kern selbe Abenteuer zu stürzen. Beim Testen von Royal hatte ich jedenfalls einen wahnsinnigen Spaß dabei, die vielen Neuerungen und komfortablen Designentscheidungen zu entdecken, die ich in der Originalversion noch vermisste.
Persona 5 fühlt sich nun schlichtweg noch mehr nach dem brillanten JRPG an, welches es schon zur Erstveröffentlichung war. Für alle Freunde des japanischen Rollenspiel-Genres gilt entsprechend die absolute Kaufempfehlung. 

 

Meinung

'Persona 5' wurde schon vor drei Jahren komplett zu Recht mit lauten Lobeshymnen besungen. Das royale Update setzt einem der besten JRPGs der letzten Jahre nun noch die Krone auf die Krone. Atlus hat konsequent an den wenigen Kanten und Macken ihres fantastischen Rollenspiels gefeilt und die Spielerfahrung durch unzählige, sinnvolle Neuerungen und Komfortentscheidungen aufgefrischt. Die interessanten Neuzugänge in der Figurenriege fügen sich so homogen in die Handlung ein, dass ich mich nicht selten bei dem Gedanken erwischte, sie seien schon immer Teil der Geschichte gewesen. Durch die erstmalige Implementierung von deutschen Bildschirmtexten wird zudem endlich die Sprachbarriere aufgebrochen, die viele Spieler trotz Interesse auf Abstand hielt. Damit öffnet sich neuen Spielern nun die Tür zu einem fantastischen Rollenspiel und ich kann nur betonen: wenn ihr mit der Inszenierung etwas anfangen könnt, schlagt zu. Und wenn nicht, werft zumindest einen Blick drauf, denn das viele Lob für Atlus’ abgefahrenes Abenteuer um Schüler, die in ihrer Freizeit die Herzen verdorbener Menschen stehlen, ist mehr als begründet. Alle Persona 5-Veteranen müssen sich indes überlegen, ob ihnen die Neuerungen es wert sind, einmal mehr für unzählige Stunden ins Metaverse abzutauchen. Ich war jedenfalls erstaunt, wie schnell es 'Royal' gelang mich zu fesseln und in die Welt von Persona 5 zurück zu holen. Die vielen sinn- wie liebevollen Neuerungen entfachten abermals meine alte Leidenschaft zu Atlus' sensationellem Rollenspiel.
Präsentation
10
Spieldesign
10
Atmosphäre/Story
9
Balance
9
Umfang
10

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