TEST

Night Call

Präsentation
8
Spieldesign
7
Atmosphäre/Story
9
Balance
7
Umfang
6

Nach der relativen kurzen aber guten Preview von Night Call, war ich besonders gespannt auf die ganze Geschichte des Pariser Taxifahrers, in der ihr einen Serienkiller im Auftrag der Polizei jagt. Ob ich vor lauter Spannung meine Fingernägel verloren habe oder doch mit dem Kopf auf den Tisch aufschlagen bin, lest ihr in meinem Test.

Wie bereits in meiner Preview zu Night Call, dem neuesten Werk des von MonkeyMoon und BlackMuffin Studio entwickelte interaktive Graphic Novels, erwähnt, schlüpft ihr in die Rolle des algerischen Immigranten Houssine, der in Paris als Taxifahrer arbeitet. Eure Hauptaufgabe ist hierbei, die verschiedensten Unterhaltungen mit euren Passagieren zu führen. Von einem “Heute ist es aber kalt oder?” bis hin zu äußerst philosophischen Themen, wie dem steigenden Ausländerhass nach einem Anschlag in Paris, ist fast alles dabei.

Bei einer Begegnung mit einem herumlaufenden Serienkiller, werdet ihr überfallen und dabei schwer verletzt. Euer Fahrgast hatte bei diesem tragischen Ereignis weniger Glück. Als ihr schließlich aus dem Koma erwacht und langsam eure Augen öffnet, seid ihr plötzlich  der Hauptverdächtige. Es gibt nur eine Spur vom Täter: Eine Leiche vor eurem Taxi! Um nicht selbst in Schwierigkeiten zu geraten, geht ihr einen Deal mit der Polizei ein und verpflichtet euch, wichtige investigative Hinweise durch das Führen von Unterhaltungen mit euren Kunden zu liefern.

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Gameplay-technisch hat Night Call, wie für ein Point-and-Click-Adventure üblich, nicht viel zu bieten. Typisch für ein Text-Adventure seid ihr die meiste Zeit damit beschäftigt, die Dialogoptionen mit der Maus oder auch wahlweise mit dem Controller zu bestätigen. Nach eurer Schicht, daheim angelangt, beginnt die wahre Hauptaufgabe des Spiels. Hier
müsst ihr verdächtige Hinweise die ihr über den Tag hinweg gesammelt habt, miteinander zu verbinden und daraus wichtige Schlüsse für die Nachforschung zu ziehen. Neben dem investigativen Gameplay-Element ist auch ein kleiner Wirtschafts-Simulator eingebaut, denn ihr müsst mit dem Geld das ihr durch das Taxifahren verdient auch haushalten können. Benzin fällt an, die Miete muss bezahlt werden und euer Taxi müsst ihr auch noch abstottern. Es ist ein angenehm erfrischendes Element, welches vom ständigen Lesen der Unterhaltungen ablenkt und daher auch die Konzentration des Spielers aufrecht
erhalten will. Auf einer simpel gehaltenen Karte von Paris im oberen Teil des Spielbildschirm könnt ihr euch mit Anklicken der Ziele durch Paris navigieren. Im unteren Abschnitt, ist eine Innenaufnahme aus dem Taxi in der ihr die Unterhaltung mit beiden Gesprächspartnern im Bild sehen könnt. Die Gedanken, die euch über bestimmte Aufmerksamkeiten der Passagiere durch den Kopf fliegen, werden in Klammern eingeblendet.

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Der französische Spieleentwickler hat sich ganz klar auf die Dialoge konzentriert und das Spiel lebt auch davon. +Die Unterhaltungen sind oft lustig, bewegend, aber auch oft zum Nachdenken anregend, zudem sind immer fesselnd und ausgesprochen gut geschrieben. Oft geht es mit ganz plumpen Unterhaltungen los, wie wir sie selbst aus Taxis kennen und je länger die Fahrt wird, desto tiefgründiger verläuft die Unterhaltung. Passagiere geben ein paar wichtige Hinweise oder verraten dir Locations, die es wert sind ausgecheckt zu werden. Leider ist die Struktur, wie die Morde aufgebaut sind etwas komisch. Es gibt drei Fälle aus denen ihr wählen könnt, wenn ihr ein Spiel beginnt und diese sind alle gleich strukturiert. Hier lässt auch das Spiel ein bisschen nach, was aber im ersten Moment weniger schlimm ist, da das Lösen des Mordfalls nach und nach in den Hintergrund fällt. Night Calls wahre Stärke sind die Geschichte, über Paris, die Leute und die tiefgehenden Unterhaltungen. Es sind die Leute an die man sich erinnert nachdem man einen Fall gelöst hat und nicht das Geld das man mit ihnen verdient. Man begegnet ungefähr 75 Personen im Laufe des Spiels, die aus vielen verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, Ethnien und in ein oder sogar zwei Fällen Dimensionen kommen. Wenn ihr Night Call spielt kann ich euch empfehlen auf dem Schwierigkeitslevel “Story” zu spielen. Der normale Schwierigkeitsgrad wirkt zu sehr als vorgegebenes Spielerlebnis ohne eigene Herangehensweise an den Fall.

Meinung

Night Call fühlt sich an wie das Lösen eines Puzzles ohne das Bild vorher auf der Verpackung gesehen zu haben. Es spielt sich deswegen am besten wenn man durch die nassen Straßen von Paris fährt, sich in die Unterhaltungen stürzt und den Fall einfach auf sich zukommen lässt. Es stellt sich als dunkles Geheimnis heraus, wer letzten Endes der Mörder ist. Eines sei allerdings verraten: der Mörder selbst ist das am wenigsten interessante narrative Element in dem Spiel.

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