PUBG verdient es, ein E-Sports-Titel zu sein

Eine Woche ist es her, dass das erste professionelle, internationale Turnier dieser Größenordnung in Berlin zu Ende gegangen ist und wir fragen uns, wie geht es weiter?

Einen weiten Weg bereits gekommen, einen weiteren Weg noch zu gehen

Fakt ist, das südkoreanische Entwicklerstudio Bluehole hat mit seinem Vorzeigekind „Player Unknown`s Battleground“ 2017 in kürzester Zeit das Battle Royal-Genre umgekrempelt und ist zu einem Riesenerfolg geworden – sowohl für Spieler zu Hause als auch im internationalen Wettbewerb. Erst im Juni diesen Jahres knackte PubG die Marke von mehr als 50 Millionen verkaufter Spiele weltweit.
Noch im Jahr 2017, nach der Veröffentlichung der Early-Access-Version im März auf der Spieleplattform Steam und vor dem Release des fertigen Spiels, fand auf der Gamescom in Köln bereits das erste Turnier, das „Gamescom Invitational“, statt, in dem Profi-Teams, darunter schon namenhafte Organisationen wie Team Liquid und Cloud9, und Influencer gegen- und miteinander in verschiedenen Modi (Solo, Duo, Squad) um insgesamt 350.000 Dollar spielten. Dieses zeichnete sich leider noch durch viele Unzulänglichkeiten wie langweiliges Gameplay – campen statt kämpfen – und schlechte Kameraführung aus. Dies hielt das zu Bluehole gehörende Heausgeberstudio PubG Corp. jedoch nicht davon ab, weiterzumachen und so gab es viele kleine Turniere für die Community, Qualifier, den Auftritt als kleiner E-Sports-Bruder von DOTA2 auf dem “IEM Katowice 2018”, bis es Ende Juli endlich zur großen Bühne in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin reichte, wo 20 Teams aus zwölf Regionen gegeneinander um insgesamt 3.000.000 Dollar antraten – eine Summe, die bisher nur in Spielen wie DOTA2 oder League of Legends erreicht wurde.

Greene: Noch ist das Spiel nicht E-Sports-ready und wir wissen es

Aber der besten Weg einen Titel als E-Sport zu etablieren, ist es anscheinend, ihn einfach als E-Sports-Titel zu spielen. Und der Aufwärtstrend gibt diesem Plan recht. Sowohl in der Perfomance als auch in der Anpassung der Turnierregelwerke, die zu spannenderen Matches führen sollen, und in der Optimierung der Technik und Programme zur besseren Übersicht für Zuschauer hat sich über das Jahr hinweg einiges getan. Beim “PubG Global Invitational 2018” konnten in den Onlineübertragungen konstant Zuschauerzahlen im sechsstelligen Bereich eingefahren werden.
Dass PubG noch lange kein fertiger E-Sports-Titel ist, ist sich Erfinder und Entwickler, Brendan Greene, durchaus bewusst und deklarierte 2018 offiziell als Jahr zum Experimentieren, um die Grundsteine für die kommenden Jahre zu legen, denen man sich mit einem Fünf-Jahres-Plan verpflichtet hat.
Schon 2019 sollen regionale Ligen in vier Regionen etabliert werden: Europa, Nordamerika, China und Korea. Bis zum Jahr 2020 sollen Ligen in weiteren Regionen folgen; auch jährliche Weltmeisterschaften sind geplant. Die finanzielle Unterstützung soll durch die Einführung verschiedener Kaufoptionen für Spieler kommen, bspw. durch kosmetische Skins mit den Logos der Profi-Teams, und in Anteilen die Teams und Ligen unterstützen. Innovativ ist in der stereotypen Aufteilung der Ligen bisher auch, dass es keine klassische Unterteilung für Männer und Frauen geben soll. Detaillierte Informationen werden aber erst zum Ende dieses Jahres erwartet.

Noch ist der Patient nicht durch

Trotz der Weiterentwicklungen ist noch nichts in trockenen Tüchern. Im Gegensatz zu Spielen wie DOTA2 oder CS:GO ist die Anfangsphase in PubG, in der es nur ums Looten geht, zäh zum Zuschauen. Dazu trägt auch das durchaus sinnvolle Gentlemen`s Agreement bei, dass sich die Teams zu Beginn nicht in die Quere kommen, um sich vernünftig ausstatten zu können. Aufregend wird es, wenn Teams sich nicht daran halten und es schon zu Beginn des Spiels zu Duellen kommt. Jedoch haben diese oft wenig mit Können und mehr mit Glück zu tun, denn wer zuerst schießen kann, ist klar im Vorteil.
Vereinheitlicht sollen auch Turnierregeln und -spielmodi werden. Während in den bisherigen Turnieren mit den verschiedenen Teamgrößen, Spielmodi, Maps und Punktevergaben experimentiert wurde, wird es dadurch für die Spieler schwieriger, sich effektiv vorzubereiten.
Eine solche Festlegung würde zwar zu einer optimierteren Übungspraxis führen. Im Gegensatz zu den bisherigen etablierten E-Sports-Titeln, die spieltechnisch eher linear aufgebaut sind, könnte diese bisherige Offenheit jedoch zu mehr Spannung und Variabilität in Matches und den Ligen/Turnieren führen sowie unter Umständen einer klaren Favoritenstellung einer kleinen Gruppe von Teams entgegenwirken. Eine Herausforderung für die einzelnen Spieler und zusätzlich müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um nicht willkürlich zu wirken.
Um passive Spielweisen und spannungsarme Matches zu umgehen, wie sie bereits in vergangenen PubG-Turnieren (bspw. Gamescom Invitational) und vor allem in den ersten E-Sports-Versuchen von Fortnite zu sehen waren, muss ebenfalls an der Punktevergabe gedreht werden. Gerade während des PGI führte die Vergabe von 15 Punkten pro Kill (im Gegensatz zu bspw. 5 Punkten beim ersten Gamescom Invitational) zu drastisch anderen Spielweisen und auch Überraschungen. So war am ersten Tag des PGI nicht Team Liquid, das zwei von vier Matches gewonnen hatte, auf dem ersten Platz sondern das südkoreanische Team Gen.G BLACK, das durch ein Verhältnis von 30:22 Kills das europäische Team noch überholen konnte.
Hinzu kommen weitere Tweaks wie die erhöhte Geschwindigkeit sowie Schadenshöhe der Zone und die Änderung der Dropraten von Handfeuerwaffen sowie Granaten und Heilitems, um einen ausgeglicheneren Wettkampf zu bieten.
Und das dann noch spannend und gleichzeitig übersichtlich für den Zuschauer zu halten, wenn 20 Teams á vier Spieler auf einer Map rumlaufen (und damit ist das Potential nicht einmal vollständig ausgeschöpft(!)), sowie relevante Spielsituationen einzufangen, verlangen der Technik und auch den Kommentatoren viel ab – Map, Killfeed, Teampositionen, Gesamtkillanzahl und Kameraführung will alles gleichzeitig im Auge behalten werden.
Zu welchen Veränderungen und Anpassungen es in diesen Punkten kommen wird, wird sich in den nächsten Spielen und vor allem in den regionalen Ligen zeigen.

Die richtige Mischung macht’s

Aber nicht nur ingame gibt es Verbesserungsbedarf. Während die Begrüßungsshow und die 360°-Bühne in der Mercedes-Benz-Arena erfrischend anders zu den bisherigen PubG-Turnieren mit den frontalen Boxenaufbauten waren und nur so vor Selbstbewusstsein strotzen, waren die Ränge vor Ort größtenteils leer. Schuld daran ist einerseits die kurzsichtige Planung des Veranstalters aber auch die kriminelle Energie der „Fans“, denn mit jedem Ticket gab es auch einen seltenen Skin-Code dazu. Das führte zum Horten von Tickets und dem anschließendem Verkauf auf Internetplattformen, wo für die Codes im Schnitt 500 Dollar gezahlt wurden – wenn man Glück hatte, war dieser auch noch gültig.

Und nicht nur die Sitze dieser Personen blieben leer. Auch durch diejenigen, die wegen mehrmaligen Einlösens von Tickets am Einlass (nur so aktivierte sich der Code für die Skins) der Halle verwiesen wurden (nicht nur einmal kam die Präsenz der Polizei zum Einsatz), oder durch Fans, die in der Schlange am Merchandise-Stand standen, die sich in Hochzeiten einmal um die komplette Arena zog, auch während der Spiele (!), leerten die Halle zusätzlich.
Offene Meet ‘n’ Greets, bspw. mit einem der bekanntesten Streamer Shroud, gingen an vielen anwesenden Fans aufgrund der schlechten Informationspolitik an den Spieltagen komplett vorbei.

Was die Zukunft bringt…

Der Vorteil ist: All diese Probleme sind lösbar. Der Hype um das Spiel ist zwar schon vorbei, auch durch die erstarkende Battle Royale-Konkurrenz, die Begeisterung ist aber weiterhin ungebrochen und das Potential für eine erfolgreiche E-Sports-Zukunft ist vorhanden. Dass sich PubG Corp. darauf langfristig einlässt, ist ein wichtiger Schritt und mit neuen Patches, wie bspw. unvorhersehbaren Wetterwechseln, werden neue Elemente eingeführt, die auch auf Wettbewerbsebene Strategieanpassungen nötig machen. Trotz der weiterhin gespaltenen Meinungen in der Spielerschaft, wie gerade an den Steam-Reviews ersichtlich, und auch bei Experten, hält Greene weiterhin an seinem Traum fest und glaubt daran, dass PubG sich eines Tages als fester E-Sports-Titel etablieren wird. Und er ist auf einem guten Weg…

Autor

Christina Wendt
Redakteurin

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